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Adieu Hamsterrad!

Ich war mal wieder kurz davor, hier alles einzustampfen. Alles war vorbereitet, ein Umzug bzw. die Rettung meiner wichtigsten Beiträge zu wordpress.com stand unmittelbar bevor. Das Ziel: die Domain nicorola.de unwiderruflich löschen und ungezwungen unter neuer Adresse weitermachen. Zum meinem Glück hat das mit dem Exportieren und Importieren alles so lange gedauert, dass ich im letzten Moment zu dem Schluss kam, das es völliger Quatsch ist, ein selbst gehostetes Blog zugunsten einer zwar kostenlosen, aber fremdbestimmten und mit Werbung versehenen Lösung aufzugeben.

Ich bleibe euch hier, unter dieser Adresse, erhalten. Allerdings mit Einschränkungen. Denn ich verspüre seit ein paar Wochen immer weniger Lust, mich dem täglichen Hamsterrad des Musikbusiness auszusetzen. Mir macht es schlicht keinen Spaß mehr, hier einfach jedes halbwegs interessante Video reinzuklatschen und ein paar schlampig recherchierte Fakten dazu zu packen.

(Wobei ich dank YouTube und der GEMA meistens mehrere Stunden wenn nicht gar Tage auf diversen Videoportalen unterwegs bin, um genau diesen einen Song zu finden. Oder ich muss auf tape.tv, dooyoo oder muzu zurück greifen, und die nerven mich mit ihren “Premieren”.)

Außerdem fühle ich mich zwischen meinen ganzen selbst geschaffenen regelmäßigen Compilationen und Beiträgen gefangen. So toll die “Mixahula”- oder die “Wolkig mit Aussicht”-Reihen auch sind, sie zwingen mir inzwischen etwas auf, und das will ich nicht mehr.

Ich verabschiede mich hiermit von der täglichen Hatz nach dem neuesten Scheiß, den Albumtrailern, den ganzen Streams und Videopremieren. Musik werde ich weiterhin hören, und ich werde mit Sicherheit auch weiter darüber schreiben. Aber nicht mehr tagesaktuell und nicht mehr in der gewohnten Frequenz. Vielleicht schreibe ich auch mehr privaten Kram. Oder ich poste Fotos. Mal schauen.

Den Zusatz “Ein Musikblog” habe ich schon mal vorsorglich entfernt. Meinen Last.fm- und meinen Tumblr-Account habe ich gelöscht, und ich werde auf keinem sozialen Netzwerk mehr mitteilen, was ich gerade höre.

Noch einmal: das hier ist kein Abschied, sondern nur eine Neuausrichtung. Wohin die Reise geht, weiß ich noch nicht. Aber tolle Musik wird es hier immer geben.

Falls ihr auf eure tagesaktuelle Dosis Musik nicht verzichten wollt, hier zum wiederholten Male meine Empfehlung: abonniert ♥WhiteTapes, ♥Testspiel, ♥Schallgrenzen, ♥Lie in the Sound und ♥ASIWYFAB. Dann seit ihr bestens versorgt.

23 Antworten auf „Adieu Hamsterrad!“

gute entscheidung. auch gut, dass du es nieder schreibst, manchmal braucht man eben ein ventil.

wobei wir das bloggen jetzt auch nicht als hamsterrad empfinden oder das gefühl haben, tagesaktuellen themen hinterherzuhecheln. wir posten, was uns passt, wenn’s uns passt. wir sind aber auch zu zweit, das macht’s wahrscheinlich auch einfacher 😉

drücke die daumen, dass dir die neuausrichtung die erhoffte befreiung bringt

Erster Gedanke: “Doch nich schon wiiieder!” Zweiter Gedanke: “Mach mal halblang Flo, du willst hier auch immer alle zwei Monate alle Zelte einreißen, wenn mal dir wieder irgendwas quer hängt”
Solltest du irgendwann überhaupt keine Lust auf Nicorola haben, bei uns bist du immer am allerherzlichsten willkommen. Ich mein, wer hätte denn vor zwei Jahren gedacht, dass ich mal mit asiwyfab bei den Blog- Empfehlungen meines lieblings- Blogs auftauche? Fuck Yeah!

So traurig das auch ist, es gibt nix schlimmeres, als irgend etwas ohne die nötige LIebe dahinter zu machen. (wobei ich dir natürlich nich die Liebe zur Musik oder so absprechen möchte. Du weißt, was ich mein)

In diesem Sinne <3

Nico, ich glaube, niemand nimmt es Dir übel, wenn Du einfach so weiter machst, wie Du möchtest. Fahr runter, fahr rauf, geh seitwärts, mach was immer Du willst, aber lass die Domain am Leben.
Ich wünschte, ich könnte mal ne’ Pause machen, aber zur Zeit will mir das einfach nicht gelingen. Ein Getriebener bin ich.
Ihr seid natürlich auch alle herzlichst eingeladen, uns zu unterstützen. 😉

Ja, ich war auch ein Getriebener. Deswegen konnte ich ja auch nicht wirklich aufhören. 🙂 Nun also jetzt dieser Schritt, der hoffentlich der richtige ist. Ich fühle mich zumindest aktuell sowas von nicht getrieben.. und das ist herrlich.

hi nico,

kommt mir bekannt vor. man muss sich selber ab und zu zwingen, den stillstand, oder einfach nur, die musik von vorgestern bis heute angemessen zu genießen. ich freu mich jedenfalls, dass du nicht ganz aufgibst und ab und an ein paar anregungen von deiner seite den horizont erweitern.

Nico, es ist doch erst knapp ein Jahr her, als du fast das gleiche schon einmal geschrieben hast. Und als du wieder angefangen hast dein Blog zu füllen, warst du auch nicht täglich am start. Und im Laufe des Jahres wurdest du wieder zu dem alten, “von der Musikindustrie getriebenen” Autor der wieder neue Sachen hören musste, um was zum posten zu haben, anstatt hauptsächlich die Musik hören zu dürfen, die dir auch gefällt.

Tu dir einen Gefallen und halte dieses Mal einfach dein Wort und schreibe weniger. Ich nehme es dir jedenfalls nicht übel. Hauptsache du stellst dein Blog nicht ein! 🙂

Ich kann deine Entscheidung ganz und gar verstehen.
Nachdem ich vor rund sieben Jahren dem Tonträgerhandel (nach über 20 Jahren) den Rücken zugekehrt habe,hatte ich viel mehr Zeit und Muße für etwas anderes.
Mehr soziale Kontakte und auch endlich die Frau fürs Leben kennen gelernt.

Wünsche Dir auf deinen Wegen alles erdenklich Gute.

Florian

p.s.
Der Musik bin auch ich weiterhin treu geblieben.

“Music is enough for a lifetime, but a lifetime is not enough for music”.
~ Sergei Rachmaninov

Im Internet tummeln sich grob spezifiziert 2 Sorten Zeitgenossen. Einerseits die Inhaltsmacher, die Content produzieren, zumindest aber sammeln, filtern und aufbereiten, andererseits die Konsumenten, welche sich all dies vereinleiben, manchmal noch mit Ratschlägen glänzen, wie Inhalte aufgepeppt werden könnten, bestenfalls genießen. Es steht jedermann frei, sich die persönliche Bestimmung auszusuchen. Nico, deine liegt unzweifelhaft in ersterer Spezies. Daher: Durchhalten!

ich habe deinen Blog erst vor kurzem entdeckt ( Ich war der mit dem Tipp für Bored man overboard ;))
Ich würde deinen Blog schmerzlich vermissen!
Ich würde dir raten einen guten Mittelweg zu finden.
Es gibt andere Blogs die beispielsweise 1 tollen Song pro Tag veröffentlichen, d.h. man konzentriert sich auf das wesentliche und veröffentlicht nur noch die ganz tollen Sachen.Vielleicht ist das ja ein Weg. Egal was passiert ich schau hier immer mal wieder vorbei in der Hoffnung auf ganz tolle neue Musik 🙂

Ja, das war ein toller Tipp. Danke nochmal. Wie ich bereits schrieb, geht es hier ja weiter. Nur wie genau und in welcher Frequenz, das wird sich zeigen. Das wichtigste für mich:kein Druck und kein Zwang.

Ich kann Dich sehr gut verstehen – seit einiger Zeit geht es mir mit meinem Blog ähnlich, und ich lasse ihn derzeit eher aus Gewohnheit nebenbei noch weiterlaufen, ohne dass allerdings der Elan der ersten Jahre da wäre. Im Grunde gibt es halt auch genug (?) andere Musikblogs, so dass die Welt nicht zwingend auf meinen gewartet hat. 😉 Ich bin mir auch noch unschlüssig, wie ich Coast Is Clear neujustiere – der Zwang, den ich eine Weile verspürte, jeden Tag etwas zu posten, führte halt schon zu Stress und zum Präsentieren von zum Teil nur mittelmäßiger Musik. Das war mal anders geplant… Durch die ganzen Promomails und persönlichen Mails von Bands steigt der Druck dann auch wieder, irgendwas davon zu “verwerten”. Der Spaß bleibt dann auf der Strecke, was beknackt ist, weil es ja eine freiwillige Freizeitgeschichte ist un dkein Job – von daher sollte der Spaß an der Sache auch im Vordergrund stehen. Naja, bin mal gespannt, wie Dein Blog sich dann in Zukunft weiterentwickelt.

Hi Nico,

ich glaube nicht, dass es die Musikindustrie ist, die Dich treibt. Da ich selber für meine Sendung bloggen muss und den Kram auch auf FB oder twitter raushaue, kenne ich den “Internet-Druck” all zu gut. Man schaut auf die Statistiken, sieht, dass jener Beitrag hochgeht, obwohl er eigentlich DER Beitrag ist, der einem am Herzen liegt, checkt Besucherzahlen und hat teilweise schon ein schlechtes Gewissen, wenn man nicht permanent Content liefert. Das alles in Verbindung mit Musik, einem Ding, das man inständig liebt, dann bekommt das einen Zwangscharakter, der nicht Spass macht.
Nichts desto trotz, manchmal muss man nen Break machen und sich nicht zum Netzssklaven. Von daher verstehe ich Deine Entscheidung, werde Dich aber weiter in meinem RSS-Feed verfolgen 🙂

Hi Marc,
du hast es auf den Punkt gebracht. Wenn ich recht überlege, hast du mit dem Musikbusiness recht. Das kann schließlich nicht wirklich was dafür. Ich habe mich selbst getrieben gefühlt. Aber das ist zum Glück (voerst) vorbei.

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