In den Jahren 1996 bis 2004 habe ich viel Zeug von Warp gehört. Plaid, Autechre, Two Lone Swordsman, Squarepusher und natürlich Aphex Twin. Dessen nach wie vor großartiges “Richard D. James”-Album habe ich mir damals auf Vinyl zugelegt. Das letzte offizielle Doppelalbum “drukqs”, welches 2001 erschienen ist, legte ich mir auf CD zu. Seit über einem Jahrzehnt ist es ruhig geworden um diesen elektronischen Ausnahmemusiker. Unter diversen Pseudonymen hat der in Schottland lebende Richard D. James zwar noch ein paar Sachen veröffentlicht (2005 z.B. die 11 EPs umfassende „Ananlord“-Serie), aber auf ein neues Album musste man bisher vergebens warten.

Ende August verkündete das Plattenlabel WARP dann ganz offiziell, dass es unter dem Namen “Syro” ein neues Album von Aphex Twin geben wird. (Falls jemand nach irgendwelchen Bedeutungen sucht: bei dem Titel handelt es sich um ein Fantasiewort des Sohnes von Richard D. James.) Das vorab auf neugierigen Fans losgelassene “minipops 67 [120.2][source Field Mix]” entpuppte sich als erstaunlich zugänglicher Song, sehr strukturiert und melodiös.

Auf Albumlänge werden dann aber weitere bekannte Register gezogen. Flächige Klangteppiche, vertrackte Breakbeats, gradliniges Rave-Gepoltere und Ambient-Passagen. Natürlich gibt es auch hier wieder die typische Zappeligkeit, die zerhackten Vocals (fast ausschließlich von James und seiner Familie) und die elektronischen Fürze. Das Gesamtergebnis klingt erstaunlich kohärent, und das obwohl die einzelnen Tracks über einen mehrjährigen Zeitraum entstanden sind, in den unterschiedlichsten Studios und Setups aufgenommen wurden und auf mehr als 130 verschiedenen Synthesizern eingespielt wurden.

Ich kenne mich in der aktuellen elektronischen Musikszene zu wenig aus, um einschätzen zu können, ob James irgendeinen Bezug zu aktuellen Sounds oder Trends nimmt oder ob er ein einfach sein eigenes Ding durchzieht. Ich vermute letzteres. Was ich mit Sicherheit sagen kann: mir gefällt “Syro” außerordentlich gut, ich fühle mich beim Hören immer ein wenig futuristisch und habe endlich wieder eine Album voller Arbeitsmusik.

8/10

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