Es gibt Musik, die funktioniert für mich weder zuhause, noch auf dem Fahrrad oder in der U-Bahn. Die funktioniert nur während der Arbeit, in Zeiten erhöhter Konzentration. Ich nenne sie Arbeitsmusik. Sehr oft stammen Alben, die ich in diese Kategorie einordne, aus dem elektronischen Bereich. Meine beiden jüngsten Arbeitsplatten sind die beiden aktuellen Werke von SBTRKT und Zomby.

Bei SBTRKT handelt es sich um den britischen Produzenten Aaron Jerome, der sich nicht nur hinter einem Pseudonym sondern auch hinter afrikanisch wirkenden Masken versteckt. Ursprünglich ist seine Musik wohl dem Dubstep zuzuordnen, aber das selbstbetitelte Album hat viel mehr zu bieten als dunkle Synthies und Breakbeats. Eine Menge Soul, ein wenig Funk und eine ganze Menge Popappeal gehören ebenso zum Sound. Nicht so verkopft wie James Blake, nicht so zappelig wie Jamie Liedell, aber doch in der Nachbarschaft. Mich erinnert das Album von der Stimmung her an “Protection” von Massive Attack. Ich weiß, musikalisch absolut nicht zu vergleichen. Aber es hat diese konsensfähige Intensität, die es zugleich zugänglich und trotzdem nicht massenkompatibel klingen lässt. Toller Tipp meiner neuen Arbeitskollegen.

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“Dedication” von Zomby lag irgendwann in meinem Postkasten. Zomby hat seine Wurzeln ebenfalls im Dubstep. Ob man da jetzt ein “Post-” davor setzen muss? Das mögen andere beurteilen; ich kenne mich zuwenig in der entsprechenden Szene aus. Mich hat das Album sofort an das fantastische “Untrue” von Burial erinnert. Beide Platten klingen wie die perfekte Untermalung für die Fahrt durch eine große Stadt. Bei Nacht. Während es bei Burial allerdings wie aus Eimern schüttet, haben sich die Regenwolken bei Zomby wieder verzogen und lassen die Lichter der Stadt glitzern. Wunderbar leichtfüßig, manchmal ein wenig 8bit, hier und da ein bischen Drei Fragezeichen (ihr wisst schon, der Soundtrack der ganz alten Folgen). Sicher, die Harmonien und Akkordfolgen sind alles andere als aufregend, aber das ist eben Arbeitsmusik.

6 KOMMENTARE

  1. Oh ja, das gibts absolut! Während meiner Diplomarbeitsnachtschichten wars “Mono” von Console. Deine Vorschläge geb’ ich mir zu passender Zeit auch mal 🙂

  2. […] Ich kenne mich in der aktuellen elektronischen Musikszene zu wenig aus, um einschätzen zu können, ob James irgendeinen Bezug zu aktuellen Sounds oder Trends nimmt oder ob er ein einfach sein eigenes Ding durchzieht. Ich vermute letzteres. Was ich mit Sicherheit sagen kann: mir gefällt “Syro” außerordentlich gut, ich fühle mich beim Hören immer ein wenig futuristisch und habe endlich wieder eine Album voller Arbeitsmusik. […]

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