Gravenhurst lassen auf ihrem jüngsten Werk mit gespentischen Klängen in die Abgründe der menschlichen Seele blicken. Und lassen uns gestärkt zurück.

Unglaubliche fünf Jahre sind seit dem letzten Album “Western Lands” bereits vergangen. Früher hat sich Nick Talbot nur zwei Jahre Zeit gelassen, um ein neues Album zu veröffentlichen. Warum auch immer er sich die Zeit nahm: ich bin sehr froh, das er wieder zurück ist. Schon bei den ersten Klängen von “Circadian” ist es wieder da, diese einzigartige Gefühl, welches nur die Musik von Gravenhurst auslöst: tiefgehende Zufriedenheit. Es brodelt ganz gewaltig unter der schönen Oberfläche der heutigen Welt, Menschen sind nicht nur das, was sie vorgeben zu sein, es gibt kein Schwarz und kein Weiß. Und trotzdem: am Ende wird alles gut.

Die Rockigkeit des Vorgängers ist verschwunden, es wird wieder introvertierter. Dabei bleibt er den Grundfesten seines Sounds treu: gepickte Folksongs, inspiriert von Shoegaze, im Hintergrund ein paar Keyboard-Akkorde. Dazu dieser relaxte, leicht gespentische Groove. Im Mittelpunkt der Platte stehen für mich zwei Songs: “The Prize”, ein sich über sechs Minuten aufbauendes Monument mit fetten Streicherarragements und knarzendem Gitarrensolo und “The Foundry”, beginnend mit einem tollen Pianomotiv, begleitet von geisterhaftem Feedback und nach einem abrupten Stop durch gradlinigen Beat und melancholischen Gitarrenmakkorden weitergeführt. An der richtigen Stelle unterstreichen leichte Feedbacks und Synthietöne die Stimmung. Das ist genau die Msuik, in die ich mich seinerzeit bei “Fires In Distant Buildings” verliebt habe.

Nick Talbot hat seinen Sound erforscht, weiterentwickelt, verdichtet und perfektioniert. Herausgekommen ist das bisher beste Gravenhurst-Album. Ein zartes Kleinod, das auch an so warmen Maitagen eine Gänsehaut verursachen kann. Aber wie schon gesagt: alles wird gut.

//////////

gravenhurstmusic.com

The Ghost in Daylight bei Amazon.

5 KOMMENTARE

  1. Gravenhurst ist ohnehin eine total verkannte Band. Liegt aber eben auch an der Weltuntergangsstimmung der Musik, die wahrlich nicht jedermanns Sache ist. Da sind wir doch mal wieder froh, dass so schöne Musik uns vorbehalten bleibt und damit auch ein hoffentlich wieder ein intimeres Konzert wie nach Fires in Distant Buildings im Knaack Club.

DEINE MEINUNG?

Please enter your comment!
Please enter your name here