Auf die Band Heaven stieß ich vor ein paar Tagen, als ich bei Coast is Clear folgende Worte las: “Wenn man einen Blindtest mit mir gemacht und mir den Song «The Sun Shins Thru in The Evening» vom neuen Heaven-Album vorgespielt hätte, hätte ich vermutlich getippt, dass es sich um eine längst verschollene Perle einer britischen Band aus den frühen 90er Jahren handeln würde.”

Ich klickte interessiert auf den Play-Button und war sofort fasziniert von diesen Klängen, die an die guten alten verwaschenen 90er erinnern, ohne sich zu sehr in einer Retro-Seligkeit zu verlieren.

Im Jahr 2010 gründeten Matt Sumrow (Gesang und Gitarre) und Mikey Jones (Schlagzeug) in Brooklyn die Band Heaven. Die beiden hatten schon mit Bands wie Swervedriver, Ambulance LTD und The Big Sleep gearbeitet und widmeten sich fortan ihrer eigenen musikalischen Vision. 2013 erschien das Debüt Telepathic Love. Danach ließen sie sich ein wenig Zeit und nahmen Lizzah Lohse (Keyboards und Gesang) in die Band auf.

Seit März liegt nun das zweite Album All Love Is Blue vor, und darauf zünden die drei ein kleines Feuerwerk. Mit Synthies und Gitarren erzeugen Heaven einen verträumten Sound zwischen Shoegaze und Dream-Pop, der mit vielen Einflüssen aus den Neunzigern daherkommt, ohne rückwärtsgewandt zu klingen.

Die drei zitieren mit feinem Gespür: beim schnörkellosen Opener Never The Moment, beim verzerrten Springtimes oder beim balladesken Believable. Mein Favorit ist allerdings das Titelstück. All Love Is Blue wird von geheimnisvollen Synthies und Pianoklängen getrieben. Klar, fokussiert und auf den Punkt.

Vielleicht liegt gerade hier die größte Stärke der Band: wie sie aus ihren Einflüssen unter Auslassung aller Fettnäpchen etwas Eigenständiges kreieren, das zwar vertraut, aber dennoch aufregend klingt. Ein dynamisches Feuerwerk aus Melodien, Gitarrenwänden und Synthies.

All Love Is Blue ist ein betörendes Album, welches trotz ein paar schwächerer Tracks locker überzeugen kann.


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