herrenmagazin

Schreckliches Cover, furchtbarer Albumtitel, wunderbare Musik. Das schrieb ich seinerzeit zum Debüt der Hamburger Band Herrenmagazin. Daran hat sich bisher nichts geändert. Einzig die Musik, die ist mir ans Herz gewachsen. Das damalige Interview-Angebot ließ ich aus welchen Gründen auch immer unter den Tisch fallen. Als ich dann vor kurzem “Atzelgift” lauschte, fiel mir dieses Angebot wieder ein. Ich fragte nach und zu meinem Glück bekam ich Deniz Jaspersen an den Computer, um mir ein paar Fragen via E-Mail zu beantworten.

nicorola: Hallo. Danke, das du dir die Zeit nimmst, mir einige Fragen zu beantworten. Kannst du dich bitte kurz vorstellen?

Deniz: Ich bin Deniz Jaspersen, 23 oder 26 Jahre alt und gucke gerne Tierdokumentationen.

nicorola: Herrenmagazin gibt es seit 2004. Wie seid ihr als Band zusammengekommen?

Deniz: Reine Zweckmäßigkeit, Rasmus und Philip spielten bereits bei Psychodiskothek zusammen und ich saß bei Spandau am Schlagzeug. Am Tage der Gründung traf ich Philip, den ich schon seit Schulzeiten kenne, am Currywurstimbiß beim Grünen Jäger. Rasmus kam später sehr unpünktlich und angeheitert von einer Weinprobe hinzu.

nicorola: Habt ihr/hast Du bestimmte musikalische Vorbilder?

Deniz: John K. Sampson ist größte Songwriter, den ich kenne.

nicorola: Soweit ich informiert bin, habt ihr Euer Album bereits Ende April 2007 mit Tobias Siebert (Delbo) aufgenommen. Warum ist es eigentlich erst in diesem Juni erschienen?

Deniz: Och, das ist eine lange Geschichte.

nicorola: Wie wurde das Album bei der der Presse und den Fans aufgenommen?

Deniz: In der Regel gut, aber es gab selbstverständlich auch ein paar Ausnahmen.

nicorola: Da die Songs demnach schon älter als eineinhalb Jahre alt sind: arbeit ihr bereits an neuem Material?

Deniz: Allerdings, das Material fürs nächste Album ist schon fertig. Die Platte kommt dann hoffentlich Ende nächsten Jahres.

nicorola: Wie kann ich mir euren Songwriting-Prozess vorstellen?

Deniz: Einer sitzt zu Hause und schreibt ein Lied, das er dann in den Proberaum mitbringt. Dort mäkelt der Rest der Band dran herum, dann wird langwierig an dem Stück gearbeitet.

nicorola: Soweit ich weiß, schreiben Rasmus und Philip die Texte. Hast Du selber keine Ambitionen zu texten?

Deniz: Das Gegenteil ist der Fall, ich schreibe die meisten Texte, dann kommt Rasmus, dann Philip.

nicorola: Was waren die Beweggründe hinter der kostenlosen EP “Herrenmagazin erklären Krieg”?

Deniz: Sie sollte dem Publikum der kettcar-Tour hinterher geschmissen werden. Rein marktstrategische Beweggründe der Plattenfirma, um mal ehrlich zu sein.

nicorola: Auf Eurer MySpace-Seite liest man moentan folgendes: “Sehr geehrte Internet-Junkies, mangels Zeit, Interesse und Wohlwollen gegenüber Rub-Bert Murdoch und seinem Imperium wird es hier bei myspace keine Konzerttermine geben. Schließlich tötet myspace Leben.” Ernstgemeinte Kritik oder nur Faulheit?

Deniz: Ernstgemeinte Faulheit. Allerdings sind die Daten einen Mausklick weiter für jeden einsichtig. Es ist aber schon wichtig, sich nicht nur auf myspace rumzutreiben.

nicorola: Wie steht ihr allgemein zur aktuellen Lage der Musikindustrie?

Deniz: Schade, dass es so ist, wie es gerade ist. Es macht die Situation für Bands und Musiker schon ziemlich schwierig.

nicorola: Was meinst Du, braucht eine Band wie Herrenmagazin heutzutage noch ein Plattenlabel im Rücken?

Deniz: Ohne das Plattenlabel wären wir mit Sicherheit nicht in der Lage gewesen, die Produktion der Platte zu finanzieren. Geschweige denn, das fertige Werk auch so zu promoten.

nicorola: Hast Du vor, deinen Lebensunterhalt mit der Band zu bestreiten?

Deniz: Ja. Klappt sehr schlecht.

nicorola: Wie weit bist du davon noch entfernt?

Deniz: Realistisch betrachtet ist es unrealistisch, dass es bald möglich sein wird. Alle Bandmitglieder jobben sich nebenbei noch einen zurecht, was manchmal sehr lästig sein kann.

nicorola: Inwieweit seht ihr euch als Hamburger Band?

Deniz: Kaum. Wir wohnen nun mal hier, aber wir machen ja nicht bewusst den sogenannten Hamburger Sound, wenngleich das natürlich immer so gesehen wird. Sei’s drum.

nicorola: Pflegt ihr Freundschaften/Kontakte zu anderen Bands aus der Stadt?

Deniz: Durch das Herumlungern in den immer selben Kneipen und Clubs lernt man mit der Zeit eigentlich jeden und jede mal kennen. Die meisten sind ja überaus nett.

nicorola: Wie lief eure Tour bisher?

Deniz: Welche Tour? Geht doch erst nächsten Monat los!

nicorola: Dein sonderbarstes/komischtes/emotionalstes Erlebnis auf der Bühne?

Deniz: Bei einem überaus überflüssigen Auftritt auf dem Campingplatz des Haldern-Festival fing es beim dritten Lied derartig an zu regnen, dass wir abbrechen mussten. Es gab nämlich kein Dach. In Todesverachtung kauerten wir unter einer Plane und retteten schließlich im strömenden Regen unser Equipment, bevor wir vom Blitz erschlagen werden konnten. Ansonsten verliefen die Konzerte eigentlich frei von erwähnenswerten Zwischenfällen.

nicorola: Möchtest du meinen Lesern noch etwas sagen?

Deniz: Hört alle: The Wind Whistles. Ein Folk.Duo aus Vancouver – wir waren auf deren Konzert, und es gehörte zu den herzerweichendsten Ereignissen seit langer Zeit! (www.myspace.com/thewindwhistles).

nicorola: Vielen Dank!

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“Atzelgift”

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Herrenmagazin - Atzelgift

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Tourdaten:

* 24.09.2008 Vortex in Siegen
* 25.09.2008 Drucklufthaus in Oberhausen
* 27.09.2008 Reeperbahn Festival
* 01.10.2008 Rosenkeller in Jena
* 02.10.2008 Moritzbastei in Leipzig
* 03.10.2008 Forum in Bielefeld
* 04.10.2008 Werkstatt in Köln
* 06.10.2008 Kulturladen in Konstanz
* 07.10.2008 59 to 1 in München
* 07.10.2008 59:1 in MÜnchen
* 10.10.2008 Schlosskeller in Darmstadt
* 23.10.2008 MUK in Gießen
* 30.01.2009 FZW / Freizeitzentrum West in Dortmund

1 KOMMENTAR

  1. Ich kenne das Problem mit diesen Email-Interviews. Man schickt ein Fragenkatalog hin und bekommt sie beantwortet zurück. Somit kann man nicht mit einer vertiefenden Frage auf die Antwort eingehen, und alles klingt ein bisschen abhackt. Aber ich hatte hier das Gefühl, dass du einen in kürzester Zeit zusammengestellten Fragenkatalog präsentierst dessen Fragen schlecht recherchiert oder schlichtweg langweilig sind. Alles Fragen die man schon 100 mal gelesen hat und auf die eh alle gleich antworten.
    Daraus hätte man mehr machen können.

    Ich hoffe du fühlst dich jetzt nicht persönlich angegriffen. Das war als konstruktive Kritik unter Kollegen gedacht 😉

  2. @pasQualle – Nein, ich fühle mich nicht persönlich angegriffen. Du hast in gewisser Weise schon recht, das mit den E-Mail-Interviews ist manchmal etwas schade, aber ich habe oft keine andere Möglichkeit.
    Das mit den schlecht recherchierten Fragen hat mich selber überrascht, denn nach meinen Informationen hat die Band in diesem Jahr schon diverse Auftritte absolviert und an anderer Stelle habe ich Informationen gefunden, das eben Rasmus und Philip die Texte schreiben. Leider ist ihre Homepage auch seit Tagen nicht erreichbar, von daher musste ich an anderer Stelle recherchieren.

    Das Du meine Fragen teilweise langweilig findest, ist schade. Beim übernächsten Interview (das nächste ist schon unterwegs) werde ich mir mal ein paar neue Fragen überlegen.

  3. @nicorola – Bei den Fragen kommt es mir halt so vor, als ob du jeder Band die gleichen Fragen stellst (ob das jetzt so ist oder nicht kann ich nicht sagen, es ist subjektive Empfinden) und nicht konkret auf die Band eingehst.
    Es mag auch sein, dass mich die vielen kurzen Fragen stören. Ich bin eher der Freund von langen Fragen, die noch ein bisschen Informationsgehalt tragen, dem Interviewten somit zeigen, dass man sich mit ihm befasst hat und die Rolle der reinen Informationsvermittlung eher in Richtung Erlebnis-, Gefühls- und Vermittlung von Ansichten und Meinungen schieben. Das ist aber, wie so vieles, subjektiv und Geschmackssache.

  4. @pasQualle – Ich stelle nicht jeder Band die gleichen Fragen, aber oft ähnliche. Ich gehe halt oft davon aus, das viele meiner Leser die Band nicht unbedingt kennen, und von daher versuche ich, etwas allgemeiner zu bleiben. Das mache ich natürlich nicht immer (siehe z.B. Angelika Express).

    Das mit den längeren Fragen ist eine gute Anregung, werde ich in den kommenden Interviews versuchen zu berücksichtigen. Du hast sicherlich recht, wenn du schreibst, das man die Antworten auch in “Richtung Erlebnis-, Gefühls- und Vermittlung von Ansichten und Meinungen schieben” kann.

    Vielen Dank für deine Kritik!

  5. Ich find die Fragen ganz ok. Ich glaub eher das sich die Motivation seitens der Musiker/Bands bezüglich solcher Fragenkataloge in Grenzen hält.

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