Wie lange Damon Albarn diese Songs mit sich herum trug, ist unklar. Offensichtlich dachte er mit nun 46 Jahren und nach all den Kollaborationen, den Opern und vor allem nach Blur, dass es an der Zeit wäre, endlich ein Album mit seinem eigenen Namen auf dem Cover zu veröffentlichen. Ganz alleine ist er bei seinem ersten richtigen Solowerk allerdings nicht; immerhin helfen Brian Eno, Natasha Khan und ein Gospel Chor aus. Und den Einfluss des Produzenten Richard Russell, mit dem Albarn schon die Bobby Womack-Platte „The Bravest Man in the Universe“ koproduzierte, sollte man ebenfalls nicht vergessen. Dieser spricht davon, dass Albarn nicht so konzeptionell wie sonst an diese Platte heranging, sondern sich von ihm eine ganz bestimmte Atmosphäre wünschte, in welcher er seine sehr persönlichen Erinnerungen zum Leben erwecken konnte.

Die unter diesen Vorgaben entstandene Musik auf „Everyday Robots“ klingt melancholisch und wird nur selten von aufheiternden Elementen wie zum Beispiel „Mr Tembo“ unterbrochen. Aber um ehrlich zu sein, hatte ich bereits beim Blick auf das Cover nicht mit einer fröhlichen Aneinanderreihung von tanzbaren Glücklichmachern gerechnet. Gebeugt sitz er da am rechten Rand, dieser Künstler mit seinem strikt organisierten Tagesablauf, der schon immer mit der modernen Welt haderte. Diese elegische Weltsicht durchzieht auch „Everyday Robots“. So heißt es im Titelstück:

We are everyday robots on our phones,
In the process of getting home.
Looking like standing stones,
Out there on our own.

Begleitet werden seine Betrachtungen von reduzierten Beats, gefälligen Piano-Akkorden, geschickt gesetzten Streichern und spartanischer Bassarbeit. Vielleicht fehlt der Platte ein wenig das erdende Bassspiel von Paul Simonon, die treibende Percussion von Tony Allen und die flirrende Gitarre von Simon Tong. Die Atmosphäre und die Stimmungen sind zwar ähnlich, aber im Zusammenspiel mit diesen Musikern entwickelten sich Albarns Kompositionen unter dem Projektnamen The Good, The Bad & The Queen im Jahr 2007 zu kleinen Hits.

Diese Zugänglichkeit verweigert uns Albarn auf seiner Soloplatte. Aber beim Zuhören geschieht etwas Spannendes: trotz der Melancholie, der Reduktion und der Verweigerung kann ich diese Platte immer und immer wieder hören. Und trotz der gedämpften Atmosphäre fühle ich mich nach den letzten Klängen von „Heavy Seas Of Love“ erstaunlich frisch und gut gelaunt. Und ich lasse die Platte wieder von vorne beginnen.

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