Kritik: Elbow – The Take Off And Landing Of Everything

Schon die ersten Töne von „This Blue World“ machen klar: auf dem sechsten Album von Elbow wird es keinen radikalen Kurswechsel geben. Viel mehr die Arbeit am eigenen Standard, die Weiterentwicklung und Verfeinerung des Songwriting. Dabei gibt es hier kein neues „One Day Like This“ zu hören, ein „Not A Job“ schon gar nicht. Und die kraftvolle Phase des „Leaders Of The Free World“ ist schon lange vorbei.

Was hier in knapp sechs Wochen in New York entstanden ist, ist ein weiteres Meisterwerk der Briten. Einen schwachen Moment, einen Durchhänger gar sucht man auf diesem Album vergebens. Das schüchterne „New York Morning“ beginnt so zart, dass man den Morgen in dieser Großstadt fast spüren kann. Langsam aber zielstrebig steuert dieser Song dann auf einen dieser epischen Elbow-Refrains zu. Herzerweichend präsentiert sich „My Sad Captains“, der Abschied von alten Saufkumpanen. Auf dem großartig verschleppten „Charge“ deuten sie den naheliegenden Refrain nur an, formulieren ihn aber nicht aus. Natürlich wäre die Ausformulierung einfach gewesen, aber die große Kunst besteht darin, es nicht zu tun.

Apropos große Kunst: es ist für mich immer wieder erfrischend, eine so großartig produzierte Platte zu hören. Man kann es einer Band heutzutage gar nicht hoch genug anrechnen, dass sie etwas von Dynamik und Storytelling versteht. Ob man das nun zuhause auf der Anlage hört, im Auto auf dem Weg zur Arbeit und auf den kleinen Ohrstöpseln: es klingt immer großartig und immer wieder gibt es Feinheiten zu entdecken.

Natürlich ist das Tempo überwiegend gemächlich, und für den Tanzflur ist das Material nach wie vor ungeeignet. Und vielleicht ist das auch eher Musik für alte Säcke wie mich. Immerhin sind Frontmann Guy Garvey und ich ein Jahrgang. Elbow erfinden sich nicht neu, haben sie eigentlich noch nie getan. Aber sie loten weiter aus, feilen, polieren und veredeln ihre Musik. Und dabei höre ich ihnen äußerst gerne zu. Am Ende möchte ich sie gerne selbst zitieren: „What a perfect waste of time!“


Kommentare

Eine Antwort zu „Kritik: Elbow – The Take Off And Landing Of Everything“

  1. Japp. Nach 2-3 Durchläufen ein tolle Platte. Elbow schaffen es immer wieder zu begeistern.