Fotos – “Porzellan”
10. September 2010, Snowhite
8.5/10

Eins vorweg: ich habe die Fotos erst mit diesem Album so richtig kennengelernt. Es gibt für mich also keinen Vergleich, keine Erwartungshaltung, keine Enttäuschung. Und wenn Sänger Tom Hessler behauptet, das die Band “das neue Album als krasses Gegenteil zum letzten (sieht), das sehr trocken und unräumlich ist”, dann muss ich das so aktzeptieren. Ich kann mich also ganz auf die vorliegende Musik konzentrieren. Und die zeigt ganz klare Einflüsse: My Bloody Valentine, Radiohead und The Jesus and Mary Chain. Das heißt im Klartext: es geht düster, melancholisch, fuzzy zur Sache. Dabei schaffen es die Fotos, diesen Klangteppich mit wundervollen Melodien zu kombinieren; eine meistens sehr intensive Angelegenheit. Sei es das an Rio Reiser erinnernde “Mauer”, das grandiose “Nacht” oder die Radiohead-Hommage “Ritt”. Nur ganz selten einmal verliert sich die Band ein wenig in ihrem neuen Sound, wenn sie für einen an sich guten Song wie “On The Run” einfach kein Ende findet oder bei “Wellen” passend zum Titel ein wenig vor sich hindümpelt.

Neben dem aktuellen Album von Gisbert zu Knyphausen das beste deutschsprachige Album des bisherigen Jahres.

3 Anspieltipps: “Nacht”, “Ritt”, “Mauer”

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Blonde Redhead – “Penny Sparkle”
10. September 2010, 4AD/Beggars Group
7/10

“Reduce to the max” könnte das Motto für die neue Platte gelautet haben. “Weniger ist mehr” passt auch. Nach ihrem großen Popentwurf “23” mit dem alles vereinnahmenden Titelsong richtet sich die Band jetzt ein wenig neu aus. Weiterentwicklung, klar. Aber auch Abkehr von alten, vielleicht zu poppigen Mustern. Die Synths und Beats sind gehaltvoller und präsenter. Das ist beim ersten Höreindruck sperriger, aber immer noch wunderschön. Dafür sorgt allein die Stimme von Kazu Makino, die sich an die athmossphärischen und gefühlvollen Arrangements schmiegt. Ganz starke erste Hälfte, die zweite fällt etwas ab. Deswegen auch nur 7 Punkte.

3 Anspieltipps: “Love Or Prison”, “Not Getting There”, “My Plants Are Dead”

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Grinderman – “Grinderman 2”
10. September 2010, Mute
8/10

Bei Grinderman geht es um Männer, Bärte und Wölfe. Oder anders: hier wird die Sau rausgelassen. Schon auf dem Debüt wurde derbe gerockt, und der dort eingeschlagene Weg wird weiter beschritten. Warren Ellis und Nick Cave befreien sich vom Staub der auf den letzten Alben etwas stagnierenden Bad Seeds. Schon der Opener “Mickey Mouse And The Goodbye Man” (was für ein Titel!) ist ein Schlag in die Fresse, von dem sich der Hörer nur schwer wieder erholt. Allerdings zeigt sich “Grinderman 2” etwas facettenreicher als das Debüt. Einen dermassen schlingernden und klöppelnden Bastard wie “When My Baby Comes” gab es dort nicht. Das elektrisch knisternde Lagerfeuerstück “What I Know” ebenfalls nicht.
Spätestens mit dem verhallenden “Yeah, commom” des Gospel-inspirierten “Palaces Of Montezuma” haben einen Grinderman an die Wand gespielt. Der wabernde und leiernde “Bellringer Blues” ist dann der Todesstoß.

3 Anspieltipps: “Heathen Child”, “Worm Tamer”, “When My Baby Comes”

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2 KOMMENTARE

  1. Wieso finden fast alle das neue Album der Fotos so gut? Bin ich der einzige, dem es überhaupt nicht gefällt? Ich bin nämlich ziemlich enttäuscht davon. Ich hab nichts gegen eine neue musikalische Ausrichtung. Aber schon allein die Texte sind so was von flach und krampfhaft zusammengedichtet. Zum Glück gibt es zwei großartige Vorgängeralben.

  2. […] Ich schrieb damals zum Album “Porzellan” der Fotos: Und die [Musik] zeigt ganz klare Einflüsse: My Bloody Valentine, Radiohead und The Jesus and Mary Chain. Das heißt im Klartext: es geht düster, melancholisch, fuzzy zur Sache. Dabei schaffen es die Fotos, diesen Klangteppich mit wundervollen Melodien zu kombinieren; eine meistens sehr intensive Angelegenheit. Sei es das an Rio Reiser erinnernde “Mauer”, das grandiose “Nacht” oder die Radiohead-Hommage “Ritt”. Nur ganz selten einmal verliert sich die Band ein wenig in ihrem neuen Sound, wenn sie für einen an sich guten Song wie “On The Run” einfach kein Ende findet oder bei “Wellen” passend zum Titel ein wenig vor sich hindümpelt. […]

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