Kategorien
Reviews

Kritik: Interpol – “Interpol”

03. September 2010
Cooperative Music (Universal)

6/10

Das ist es also. Das letzte Werk mit Carlos Dengler, der die Band nach den Aufnahmen verliess. Der Schmerz über diesen Verlust ist spürbar. Das vierte, selbstbetitelte Album ist ein Brocken, der bei den ersten Durchläufen Probleme hat, Eindruck zu hinterlassen. Erst mit der Zeit kristallisieren sich Höhepunkte wie der fulminante Opener “Success” oder auch das stampfende “Memory Serves” heraus.

Das Album hat neben den beiden Eröffnungsstücken noch weitere große Momente zu bieten: “Barricade” erinnert mit seiner prägnanten Basslinie daran, wie schmerzlich der Verlust Denglers für die Band sein dürfte. “Lights” brodelt unterschwellig und schleicht sich unvermeidlich zum epischen Höhepunkt und “Always Malaise (The Man I Am)” schlängelt sich bedrohlich um den düsteren Refrain.

Was sofort auffällt: Produzent Alan Moulder hat der Band auf diesem Album einen großartigen Sound verpasst, vielleicht sogar den besten ihrer bisherigen Laufbahn. Ich habe allerdings den Eindruck, das die Band sich etwas zu sehr auf den Sound konzentriert hat und dabei ein wenig die Songs vergessen hat. Oftmals besitzen die Songs eine Grundidee, mal mehr oder weniger packend, und das war’s dann. “Safe Without” besitzt zum Beispiel eine Gitarrenfigur, die einfach von vorne bis hinten durchgespielt wird. Abwechslung oder gar Dramaturgie? Fehlanzeige. Aber der Sound ist großartig.

Interpol klingen auf ihrem neuen Werk gleichzeitig vertraut und seltsam distanziert, das ganze Album schlingert gewaltig. Zwischen tollen Momenten und vor sich hindümpelnder Monotonie. Die besseren Songs erinnern an die bisherigen Großtaten und machen wehmütig. Die schwächeren lassen mich etwas ratlos und oft gelangweilt zurück. Sehr durchwachsen.

Highlights: “Success”, “Memory Serves”, “Always Malaise (The Man I Am)”

//////////

simfy: Albumstream

“Interpol” beim Amazon