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Kritik: Placebo – B3

Brian Molko über die neuen Songs: “Sie klingen durchaus anders als alles, was Placebo bislang gemacht haben. Aber genau das passt ja wieder zu unserem für uns neuen, ungewöhnlichen Ansatz, Dinge einfach geschehen zu lassen. Wir wollen uns zwar nicht vollkommen neu erfinden, aber doch wieder einmal eine neue Nische innerhalb unserer Welt besetzen. Wir wollen überraschen – uns, die Fans und alle, die sich noch immer für Placebo interessieren.”

Ich zumindest interessiere mich noch immer für die Band, obwohl ich zugeben muss, das mein Interesse nach dem letzten Opus “Battle For The Sun” doch merklich nachgelassen hat. Sicher, das Konzert damals in der Arena hat mir ziemlich gut gefallen, aber danach habe ich die Musik der Band nicht mehr oft gehört. Und so langsam habe ich sie sogar ein wenig vergessen (ihr müsst wissen: ich bin Jahrgang 1974). Da war meine Überraschung natürlich groß, als ich auf einmal eine EP des Trios in meinem Postfach fand, und dann auch noch mit dieser Ankündigung.

Beim ersten Durchlauf schleichen sich dann auch ungewohnte Töne durch die Membranen. Zum Beispiel die Sytnhies im Titelsong oder der pluckernde Bass von “The Extra”. Aber das ist schon beim zweiten Anhören völlig nebensächlich, denn auch wenn Brain Molko hier von einem ungewöhnlichen Ansatz spricht, sind die Änderungen im Bandsound eher marginal. Was allerdings positiv auffällt: der Bombast ist verschwunden. Die komplette EP klingt angenehm zurückgenommen und relaxt. Das lenkt den Fokus auf die Songs, und die sind ziemlich gelungen. Der Opener und Titeltrack geht gut nach vorne los, besitzt eine von diesen typischen Molko-Gesangslininen und erinnert an Klassiker wie “Slave To The Wage”. Könnte live ein ziemlicher Knaller werden.

“I Know You Want To Stop” ist ein straighter Rocker, dem leider die letzte zündende Idee fehlt. Die an Solos erinnernden Gitarrenparts sind aber gelungen. Die beiden besten Songs sind das schleppend beginnende “The Extra”, welches sich beim Refrain in Popgefilde aufmacht und das großartige “I.K.W.Y.L”. Hier lassen sich am ehesten die “neuen” Placebo ausmachen. Trotz Reduktion im Sound druckvoll und mitreißend. Die abschließende Ballade ist mir am Ende etwas zu dick aufgetragen, aber alles andere als schlecht.

Wenn diese fünf Songs die Marschrichtung für das im nächsten Jahr erscheinende neue Album darstellen, dann ist die Band auf einem guten Weg.