Aktuell erscheinen so viele neue Platten, das ich mit dem Hören kaum noch hinterherkomme. Mit dem Rezensieren noch viel weniger. Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, hier wieder die Kurzrezension einzuführen. Einfach ein paar Sätze mit einer abschließenden Wertung.

Low – The Invisible Way

low-invisible-wayZu den Klängen von “Amethyst” könnte ich jede einzelne Schneeflocke da draußen beim Herunterfallen beobachten. Bei diesem Song werden die Instrumente so zart behandelt, als würden sie zum Weltkulturerbe gehören. Slowcore nennt man das wohl. Und dann ist da auch noch “Just Make It Stop”, einer meiner bisherigen Lieblingssongs aus dem noch jungen Jahr. Auch die anderen neun Stücke dieser Platte brauchen sich nicht zu verstecken, wobei ich allerdings auf Albumlänge eine abnehmende Aufmerksamkeit meinerseits feststelle. Trotzdem: eine tolle Platte zum 20jährigen Bandjubiläum.
7/10

Black Rebel Motorcycle Club – Specter at the Feast

black-rebel-specter-at-the-feastWow, was für ein Anfang. Dieser Basslauf ist simpel, aber gleichzeitig dekadent und sexy, schmeichelnd und bedrohlich. Das eröffnende “Firewalker” ist ganz große Kunst und ein toller Einstieg in das siebte Studioalbum. Die Jungs aus San Fransisco haben eine lange Reise seit ihrem Debüt im Jahre 2001 hinter sich, und das Drängen, Rotzen und Kämpfen ihrer Anfangstage haben sie lange hinter sich gelassen. Um diese Platte zu verstehen, sollte man vielleicht wissen, dass Michael Been, Sänger von The Call und Vater von Bassist Robert Levon Been, beim Pukkelpop Festival 2010 einen Herzinfarkt im Backstagebereich erlitt. Deswegen covert die Band den The Call-Song “Let The Day Begin”, und deswegen klingt die Platte in ihrer Gesamtheit ziemlich nachdenklich. Wobei sie nicht in Melancholie versinkt, sondern eher die Tragödien, den Herzschmerz und auch die Höhenflüge in wundervolle musikalische Momente verwandelt. Ich war nie ein Fan, aber dieses Album hat mich überzeugt.
8/10

Daughter – If You Leave

daughter-if-you-leaveMit viel Vorschusslorbeeren ausgestattet veröffentlichte das britische Trio letzten Freitag endlich sein Debütalbum. Die Erwartungen an diese Platte waren hoch, und ich behaupte: sie werden nicht enttäuscht. Intim ist wohl das Wort, das ich in den letzten Tagen am öftesten lesen musste. Zusammen mit dem The XX-Vergleich. Den finde ich allerdings etwas gewagt. Die Reduktion aufs Wesentliche ist auch hier das Stilmittel der Wahl, aber The XX entfalten eine ganz andere Art der Intimität. Die Gesangsmelodien von Elena Tonra sind oft wundervoll, die Instrumentierung ist wohl dosiert und unterstreicht den Charakter der Songs. So entstehen packende Tracks wie “Winter”, “Human” oder auch “Shallows”. Leider werden einige tolle Passagen hier und da mal zugetrommelt, was gar nicht nötig wäre. Dennoch: mehr als gelungen.
7/10

3 KOMMENTARE

  1. […] Ich schrieb zum Debüt von Daughter: “Intim ist wohl das Wort, das ich in den letzten Tagen am öftesten lesen musste. Zusammen mit dem The XX-Vergleich. Den finde ich allerdings etwas gewagt. Die Reduktion aufs Wesentliche ist auch hier das Stilmittel der Wahl, aber The XX entfalten eine ganz andere Art der Intimität. Die Gesangsmelodien von Elena Tonra sind oft wundervoll, die Instrumentierung ist wohl dosiert und unterstreicht den Charakter der Songs.” […]

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