Lush – Blind Spot EP (Review)

Vor ziemlich genau 20 Jahren saß ich in einem Potsdamer Altbau, fütterte meinen riesigen Kachelofen mit Kohlebriketts und trank einen warmen Tee.

Ich saß vor meiner Anlage und hielt eine CD-Hülle in den Händen. Im Player lief Lovelife von Lush. Eine tolle Scheibe, die ich wirklich gerne gehört habe. Warum genau, dass kann ich dir leider nicht sagen. Die Musik besaß so eine Leichtigkeit, die aber nie in Euphorie überging, sondern immer melancholisch blieb.

Im gleichen Jahr beendeten Lush nach dem Suizid ihres Schlagzeugers Chris Acland ihre aktive Karriere, um sich 1998 offiziell aufzulösen. Lovelife sollte somit ihr letztes Album bleiben.

Inzwischen bin ich doppelt so alt, und Kohlebriketts brauche ich heute nicht mehr. Es hat sich in den vergangenen Dekaden eine Menge verändert, aber meine Vorliebe für die Musik von Lush offenbar nicht.

Denn die vier Songs ihrer Comeback-EP Blind Spot laufen bei mir gerade hoch und runter. Überraschenderweise ohne jenen kitschigen Nostalgiefaktor, welcher neue Platten alter Helden oft begleitet.

Ganz im Gegenteil: Songs wie Burnahm Beeches oder Rosebud sind einfach wunderbar anzuhören. Es ist schon erstaunlich, wo die 20 Jahre geblieben sind. Es klingt fast so, als wären nur ein paar Monate zwischen Lovelife und diesen vier neuen Stücken vergangen.

Wirklich Überraschungen erwarten dich hier nicht, aber das haben die drei Londoner auch gar nicht nötig. Sie klingen einfach so gut wie immer.

Leider ist diese EP mit vier Stücken viel zu kurz. Aber wer weiß, was uns die Zukunft bringt? Nur eine Bitte: ich möchte nicht warten, bis ich 60 bin.


Kommentare

2 Antworten zu „Lush – Blind Spot EP (Review)“

  1. Man munkelt ja, dass es sich bei diesen “neuen” Songs um Demos aus der damaligen Zeit handelt – ein bisschen so klingen die Lieder auch (was nichts Schlechtes ist :-). An “Lovelife” kommen sie für mich aber nicht ganz ran, dafür fehlt die Power. Ich freu mich auf jeden Fall schon auf Freitag kommende Woche, wenn ich die Band live in London sehen kann! (Hatte anno 1996 eine Karte für ihr Konzert in Hamburg, nur leider war der Selbstmord des Drummers nur wenige Wochen vor diesem Termin; das Ticket habe ich heute noch in der Schublade…)