Bei den aktuellen Newcomern von der insel scheint ein Jahrzehnt als Inspirationsquelle gerade ganz groß in Mode zu sein: die Fünfziger. Die Unbeschwertheit und die Melodieseligkeit dieses Jahrzehnts, aber auch das Gespür für die Tanzfläche beeinflusst gleich drei Debütalben junger Bands von der Insel. Dabei ist allen dreien Eines gemeinsam: sie unterhalten ungemein und scheinen wie gemacht für den nahenden Frühling. Ob im nächsten Jahr auch nur noch ein Hahn nach diesem Sound kräht, sei dahingestellt. Wir sind schließlich im Hier und Jetzt.

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Frankie & the Heartstrings – “Hunger”

25. März 2011, Cooperative Music

Diese Platte ist weder cool, noch tiefgreifend oder gar hip. Sie will einfach nur gespielt werden. Und Spaß machen.

Frankie & The Heartstrings gibt es noch gar nicht so lange. 2008 ist das Geburtsjahr dieser Band aus Sunderland, welche sich live schnell einen guten Ruf erspielte. Das Publikum erkannte das Potential und die Anhängerschaft wuchs schneller als das eigene Repertoire. Mit “Ungrateful” erschein im Herbst letzten Jahres die erste EP, jetzt folgt der Longplayer. Von den vier Eigenkompositione der EP schaffte es nur “What Goes Around” nicht auf das Album, die anderen drei wurden angemessen zwischen neuem Material verteilt. Die Band bietet unterhaltsamen Indierock mit einem guten Gespür für packende Melodien und einer gehörigen Portion Fünziger-Jahre-Einfluß. Sie wildert in der britischen Muskgeschichte, macht das aber derart unbekümmert und mit einer so großen Portion Spaß, das dieser sofort auf den Hörer überspringt.

“That Postcard”, “Possibilities” oder auch “Hunger” packen schon beim ersten Hören und machen glücklich.


 

The Vaccines – “What Did You Expect From The Vaccines?”

18. März 2011, Sony Music

Rotziger, punkiger und dreckiger: die Band nimmt die Fünfziger und die Achtziger an die Hand und spielt vor deren Augen am Grab von Joey Ramone ein Ständchen.

The Vaccines werden mit ihrem Debüt “What Did You Expect From The Vaccines?” in ihrem Heimatland wohl für einiges Aufsehen sorgen. Dafür dürfte zu einem Großteil Frontmann Justin James Hayward-Young verantwortlich sein, welcher ein sicheres Händchen für schmissige Songs und tolle Melodien besitzt. Das stellte er bereits als Jay Jay Pistolet unter Beweis. Bei seiner neuen Band dominiert ebenfalls der Retro-Sound, Fünfziger, eine Prise Punk, ein bischen New Wave und immer: catchy Refrains.

Zwar gehen die Vaccines ein wenig ruppiger als Frankie & The Heartstrings zur Sache, aber hört man sich das Debüt genauer an, sind sie zugleich auch ein wenig melancholischer. Der Opener macht die Verschmelzung der Haupteinflüsse vielleicht am deutlichsten: New Wave-Beat trifft auf rotzige Gitarren und die Fünfziger. Natürlich immer dabei: Handclaps. Nach 82 Sekunden ist auch schon alles gesagt. Auch das großartige “Norgaard” schlägt in die gleiche Kerbe und ist ebenfalls nach eineinhalb Minuten wieder vorbei. Das vielleicht auffälligste und mitreißendste Stück nennt sich “Post Break-Up Sex”, bewegt sich im melancholischen Midtempo-Bereich und geht bereits beim ersten Hören ins Ohr.

Zwar hängen einige Kompositionen, interessanterweise meistens die längeren, etwas durch und lassen den gewissen Drive vermissen, aber insgesamt weiß auch dieses Debüt zu überzeugen.

 


 

The Crookes – “Chasing After Ghosts”

25. März 2011, Fierce Panda

Infektiöser Indiepop mit Ohrwurmpotential, gut geeignet für zappelige Tanzschritte im Stil von “The Breakfast Club”.

The Crookes stammen wie die Arctic Monkeys aus Sheffield und sind genau wie Frankie & The Heartstrings seit 2008 am Start. Ihr Debüt weist ebenfalls starke Einflüsse aus den Fünfzigern auf, ist im direkten Vergleich aber wohl die glatteste und poppigste Platte dieser drei Neuvorstellungen. Und ein ganz großes Vorbild schimmert ebenfalls immer wieder durch: The Smiths (z.B. “The Crookes Laundry Murder, 1922”). Immer wieder ertappe ich mich bei dem Gedanken: gleich steigt Morrissey als Duett-Partner ins Geschehen ein. Lustigerweise fällt mir in Bezug auf den Gesang noch eine andere Referenz ein: Caleb Followill, der Frontmann der Kings Of Leon. Besonders auffällig bein Opener “Godless Girl”.

Auch dieser Band wohnt eine Leichtigkeit inne, die man ihr ohne weiteres abnimmt und von der man sich gerne anstecken lässt. Und sowohl die Fünfziger als auch The Smiths sind mit Sicherheit nicht schlechtesten Referenzen.

2 KOMMENTARE

  1. “Rotziger, punkiger und dreckiger: die Band nimmt die Fünfziger und die Achtziger an die Hand und spielt vor deren Augen am Grab von Joey Ramone ein Ständchen.” Ich glaube besser kann man den Sound des Vaccines-Albums mit einfachen Worten nicht auf den Punkt bringen. Wenn man noch dazu das Wort “schmissig” in einer Rezension unterbringt, hat man mich meistens schon gewonnen ;0) Auch ich kann das Album – allen voran die Single “Post Break-Up Sex” – nur empfehlen!

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