Der deutsche Streaminganbieter stellt neue Abomodelle vor, beschränkt den freien Zugang zur Musik auf 20 Stunden im Monat und macht damit eines klar: unbegrenzter und durch Werbung finanzierter Musikgenuss via Streaming hat keine Zukunft.

Gestern verkündete der Streaminganbieter Simfy in einem Atemzug Wachstumsrekorde und eine radikale Änderung an der bisherigen Gratiskultur. Um es kurz zu machen: Gratis hören kann man werbefinanzierte Musik nur noch 20 Stunden im Monat. Sowohl im Browser als auch mit dem Desktop Player. Wer mehr als 20 Stunden im Monat Musik hört (wer tut das nicht?) darf in Zukunft 5 Euro im Monat bezahlen. Allerdings ist eine Preiserhöhung ab Mitte Oktober quasi schon angekündigt: simfy Premium ist bis zum 15. Oktober 2011 zum Einführungspreis von nur 4,99 Euro pro Monat erhältlich […].

Am bisherigen Premiummodell ändert sich eigentlich nichts, nur der Name. Premium Plus ist im Prinzip das Gleiche wie Premium mit der Möglichkeit, Musik sowohl offline als auch unterwegs zu hören. Damit ist Simfy schlussendlich den Schritt gegangen, den das schwedische Vorbild Spotify bereits im April ging. Das Angebot der beiden Streaminganbieter ähnelt sich stark, um es mal vorsichtig auszudrücken (Spotify, Simfy). Nur bei der Gratisvariante zeigt sich der deutsche Anbieter etwas generöser (bei Simfy könnt ihr z.B. 20 Stunden lang einen Song hören, während bei Spotify nach fünf Durchgängen Schluss ist und auch nur 10 Stunden im Monat drin sind).

Ich möchte das Vorgehen von Simfy nicht kritisieren, denn ich habe ehrlich gesagt seit April darauf gewartet, wann dieser Schritt vollzogen wird. 10 Euro für PremiumPlus sind ein fairer Preis. Der Service funktioniert technisch meistens zufriedenstellend und das Angebot an Musik ist aktuell und ziemlich umfangreich (hier mein Test).

Ich sehe das allerdings ähnlich wie Martin Weigert in seinem Artikel “Spotify beschränkt Gratis-Zugang: Das Ende von kostenfreier On-Demand-Musik”: Die Symbolhaftigkeit der jüngsten Entscheidung darf nicht unterschätzt werden: Wenn es dem populärsten und auch bei der Konversion von Free- zu Premium-Nutzern recht erfolgreichen On-Demand-Musikdienst nicht gelingt, einen global verfügbaren, dauerhaft unbegrenzten, durch Werbung finanzierten Gratis-Zugang bereitzustellen, dann ist dies das Ende dieser Art des Musikkonsums.

Wenn man sich die Kommentare unter der Ankündigung im Simfy-Blog anschaut, dann sind die Reaktionen zweigeteilt: die einen sehen keinen Problem darin, 5 oder 10 Euro im Monat für das Angebot zu zahlen. Das dürften allerdings die Nutzer sein, die bereits eigenes Geld verdienen. Bei den Schülern und Studenten hört man dagegen heraus, das das zu teuer ist. Ob sie dadurch in die Illegalität getrieben werden, sei mal dahingestellt. Zukünftige Kunden werden sie aber durch die neue Preisstruktur wohl eher nicht.

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Wer übrigens noch immer auf einen Deutschlandstart von Spotify wartet: “Spotifys Deutschland-Start liegt auf Eis”.

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Besteht auf eurer Seite noch der Wunsch, das ich weiterhin Simfy-a-hula-Playlisten erstelle? Oder wendet ihr euch alle gerade enttäuscht von Simfy ab?

13 KOMMENTARE

  1. Unbegrenztes Hören für weniger als den Preis eines einzigen Albums, darüber lässt sich nur schwer meckern. Ein paar Cent für die Musikschaffenden sind ja schon nett. Wobei ich mir eh Musik die mir gefällt kaufe und Simfy nur zum Probehören nutze, aus Erfahrungen mit anderen Diensten reichen da 20 Stunden pro Monat durchaus. Von daher wird mir das Gratisangebot auch in Zukunft vermutlich ausreichen.

  2. Ganz im ernst? 5 oder 10 € sind ein Witz- selbst für Schüler und Studenten. Das ist gerade mal eine oder zwei Schachteln Kippen. Dafür spare ich mir evtl. Alben, die ich blind kaufe und mich danach drüber ärgere.

  3. Ich schließe mich dem an. 10,- EUR sind nicht viel… was mich ärgert das man, wenn man den Service auf dem Handy nutzen will, vorläufig mehr bezahlt als ein Nutzer der nur am PC Musik hört. Am Handy ist man darauf angewiesen die Musik im W-Lan runterzuladen und auf dem Handy zu speichern, denn dauerstreamen von Musik macht sich nicht gut mit begrenzter Geschwindigkeit ab 1Gb Downloadvolumen.

    Ansonsten finde ich Simfy prima, auch wenn der Simfy Player auf meinem PC nur sehr unzufriedenstellend läuft. Ich nutze dann als Ausweichmöglichkeit die Internetseite.

    Und bitte poste weiter die Playlisten für Simfy. Ich bin dafür 🙂

  4. mal ganz davon abgesehen, dass ich nichts von streaming seiten halte, empfinde ich das hier als den ersten schritt in die richtige richtung. es kann nicht sein, dass man nichts zahlt, unbegrenzt musik hören kann und der künstler einen lächerlichen centbetrag erhält pro song – was eh schon bei einzelnen songdownloads der fall ist.

    “unbegrenzter und durch Werbung finanzierter Musikgenuss via Streaming hat keine Zukunft” weil musik so keine zukunft hat.

    finde die beträge immer noch lächerlich. 5€ pro monat für mehr als 20 stunden musik, heißt für den künstler immer noch nicht mehr geld.
    und auch 10€ für unbegrenztes hören, kommt für den künstler immer noch aufs gleiche raus.

    ich kann solchen seiten und angeboten einfach nichts abgewinnen. mir wurde von einem freund aufgerechnet, wie viel er für eine seiner singles bekam bei itunes und auch simfy. simfy hat noch schlechter abgeschnitten.
    musik zum flatratepreis? das geht nicht, wenn man wirklich die musik möchte. die muss nämlich auch noch produziert werden und das endprodukt ebenfalls. ok, wenn es nur noch downloads und streams gäbe, würde das endprodukt wegfallen. das will aber doch niemand! aber darauf läuft es zwangweise hinaus, wenn so viel digital gemacht wird. das finde ich schafde, denn ich kenne musiker, die schon fast keine lust mehr haben und ihre physischen veröffentlichungen nur noch nach eigenem interesse anfertigen, nachdem ihnen von oben geraten wurde, die platte nur als download zu veröffentlichen.
    das sind in meiner welt keine zustände 🙁

    *ende der gedankenkotze, die nur die meinung eines kleinen musikfans ist 😉

  5. Ist das denn wirklich so eine große Änderung, die dort stattfindet? Laut Simfy-Blogeintrag hören doch sowieso nur 10% der Nutzer mehr als 20 Stunden im Monat. Leute aus dieser kleinen Gruppe müssten sich eben entweder einschränken, auf andere Seiten ausweichen, Geld für eine Premium-Mitgliedschaft bezahlen, oder, äh… noch einen Zweitaccount anlegen, wenn das möglich ist?

    Für mich sieht es so aus, als bliebe das Angebot im Großen und Ganzen weiterhin kostenlos, aber die (wahrscheinlich relativ kleine) Minderheit der User, die bereit ist, zu zahlen, kann das ab sofort tun. So ein Freemium-Modell haben doch viele Webseiten laufen.

  6. Das zeigt, dass das Geschäftsmodell von Grooveshark zukunftssicherer ist. Zeit für eine Runde Grooveshark-a-hola?
    (Jaja, Grauzone, genau wie YouTube, wo es auch niemanden stört.)

    Ach: Dein Spamschutz ist kacke. Ich soll ein Wort eintippen, weil ich hier kein Javascript aktiviert hatte, als Ergebnis kam ich trotzdem auf eine Fehlerseite, ich soll doch bitte Javascript aktivieren. Wie sinnfrei!

  7. Tux, das Grooveshark-Modell ist so lange zukunftssicher, bis die Seite abgeschaltet oder gezwungen wird, alle hochgeladene Musik ordnungsgemäß zu lizeniseren. Was die machen, liegt nicht wirklich in einer rechtlichem Grauzone, es ist eher… nun ja, absolut 100% nicht erlaubt?

    • Erstens: Du liegst falsch. Grooveshark hat auch Verträge mit einigen “major labels” (scheußlicher Terminus) abgeschlossen, so “100%” kann das nicht sein.
      Zweitens: Das gilt ebenso auch für YouTube, richtig?

  8. ICH BIN SEHR ENTTÄUSCHT VON SIMFY… Es entwickelt sich nur ins Negative!
    Aber was ist eigentlich wenn man sich nach den 20 Stunden einen neuen Account zulegt?

    Ich bin gerade zum ersten Mal auf deinen Blog zugestoßen und finde ihn sehr interessant

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