The National – I Am Easy To Find

Die Songs sind wundervoll und ungewöhnlich, auch wenn ich hier und da die hymnischen Refrains vermisse. Diese gibt es zwar auch, aber sie sind eindeutig in der Unterzahl. Dennoch: eine gelungene Neuausrichtung.

Mit einem neuen Album von The National hätte ich erst in zwei bis drei Jahren gerechnet. Denn das letzte Werk Sleep Well Beast erschien im September 2017 und folgte rund vier Jahre nach Trouble Will Find Me.

Aber zum Glück erhielt Frontmann Matt Berninger am 3. September 2017 eine E-Mail vom Oscar-nominierten Filmregisseur Mike Mills. Er hätte Interesse in irgendeiner Form mit der Band zusammenzuarbeiten. Berninger war sofort Feuer und Flamme.

Das Ergebnis ist der 24-minütige Kurzfilm I Am Easy To Find sowie ein 64-minütiges Album von The National mit dem gleichen Titel. Damit ist das Album das bisher längste in der Geschichte der Band. 14 vollwertige Songs und zwei Interludes warten darauf, entdeckt zu werden. Und das fiel mir zu Beginn zugegebenermaßen ein wenig schwer.

Denn mich erwartete neben den gewohnt zappeligen Schlagzeugfiguren, den flirrenden Gitarren und den liebgewonnenen Gesangslinien auch viel Ungewohntes. Dem Konzept des Films folgend gibt es auf diesem Album viele weibliche Stimmen zu hören: Gail Ann Dorsey, Mina Tindle, Lisa Hannigan, Sharon Van Etten, Kate Stables, Eve Owen – und der Brooklyn Youth Chor.

Es gibt Momente, an denen ich einen klassischen The National-Moment erwarte, aber dann übernimmt eine Sängerin das Mikro und führt das Stück in eine andere Richtung. Oder sie singen gemeinsam mit Berninger, dessen tiefes Grummeln dann als Kontrast funktioniert.

So entsteht einer der schönsten Songs des Albums: Oblivions. Hier hört man Bryce Dessners Frau Mina Tindle, wie sie mit Berninger über die Angst singt, dass die Liebe innerhalb einer Ehe langsam verschwindet.

It’s the way you say yes when I ask you to marry me
You don’ t know what you are doing
Do you think you can carry me
Over the threshold
Over and over again until oblivion?

Die Songs sind wundervoll und ungewöhnlich, auch wenn ich hier und da die hymnischen Refrains vermisse. Diese gibt es zwar auch, aber sie sind eindeutig in der Unterzahl. Where is Her Head ist z.B. ein einziger, durchgängiger Refrain, bei welchem sich Berninger allerdings größtenteils zurückhält.

Auch Rylan ist ein Klassiker, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Ein Song, den die Band schon seit über acht Jahren im Liveprogramm spielt, aber noch nie veröffentlicht hat. Auch wenn das Stück hier ein wenig aus dem Rahmen fällt, bin ich froh, dass es endlich einen Platz gefunden hat.

Ich war zu Beginn unschlüssig. Entspricht das, was ich da höre, eigentlich meinen hochgesteckten Erwartungen? Ist das nur ungewöhnlich oder doch aufregend? Es brauchte viel Zeit, Kopfhörer und Abschottung, um mir meine Fragen zu beantworten. Aber inzwischen bin ich mir sicher: I Am Easy To Find ist eine gelungene Neuausrichtung.  


2 Kommentare

  1. Hallo nico!

    Vielen Dank für die ganzen Info und den Reminder über die NATIONAL-Releases.
    Der Film ist ein wahnsinnig schöner / melancholischer Vorbote zum Album. Zudem ein ganz toll gelunges Einzelwerk.

    Hab Nachts um 0:01 auf Spotify das neue Album 2 mal durchgehört und lag am Boden.
    Finde es wahnsinnig schön und gelungen!
    Eine Menge neues Features sind nun in Songs zu finden, aber ich finde dass das alles sehr gut passt.

    Manche Song wandern schneller ins Gehör (quasi : easy to find) und manche werden es über die nächste Zeit noch schaffen. Bin auch mega happy dass sie “Rylan” nun endlich mal als ordentlich Studioversion veröffentlichen!

    So oder so……THE NATIONAL machen und liefern wieder mal ein Werk ab was einfach nur THE NATIONAL kann!

    Mächtig gewaltig, ein Bombe!
    Dir auch noch viel Freude beim Hören!

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