Bei mir ist das immer so ein Ding mit deutschsprachiger Musik. Ich stürze mich auf die Alben, bin begeistert und irritiert zugleich, höre sie ein paar Wochen und lege sie dann zu den Akten. Ausnahmen gibt es leider keine. Das ist bei Tomte so gewesen, bei Kettcar erst recht, bei Olli Schulz sowieso. Nur Gisbert zu Knyphausen schafft es mit einigen seiner Songs das Verlangen nach nochmaligem Hören zu generieren.

Tomte sind jetzt also Geschichte, zumindest die Version mit Thees Uhlmann am Mikro. Das ist nach dem eher missglückten “Heureka” auch kein großer Verlust. Für den Songschreiber Uhlmann war das wohl eine Befreiung, denn sein Solowerk klingt überraschend frisch. Er räubert sich zwar wieder musikalisch und textlich durch die popkulturelle Geschichte, aber er schafft es, sich diese Zitate einzuverleiben und daraus etwas Stimmiges zu gestalten.

Johnny schreibt: Auf seinem ersten, selbstbetitelten Soloalbum nach Tomte (die ja auch überhaupt keine schlechte Band waren) klingt Uhlmann nebst Band leicht und erleichtert, flirtet schon mit dem Coverfoto mit der Springsteen-Schule des Rock’n’Roll und singt in „Sommer in der Stadt“ die Zeile „Ein nuklearer Fehler, doch ich fürchte mich nicht“, als hätte er sie selbst geschrieben. In solchen Momenten wird klar: Unpeinliche Rockmusik auf Deutsch – geht.

Sehe ich ähnlich. Und ich höre das Album aktuell sehr gerne und immer wieder. Musikalisch ist er dabei nicht weit von seiner ehemaligen Band entfernt, vielleicht etwas universeller im Rock verankert. Neben grandiosen Songs natürlich auch hier desöfteren Sachen, mit denen ich absolut nicht warm werde (“Die Nacht war kurz (ich steh früh auf)”, “Paris im Herbst”). Meine Highlights: “17 Worte”, “Sommer in der Stadt” und “Lat: 53,7 Lon:9.11667”.

Ich bin mir sicher: meine Sympathie und Begeisterung speist sich zu einem gewissen Teil aus der Tatsache, das Uhlmann genauso alt ist wie ich und ebenfalls auf dem Land in Norddeutschland aufgewachsen ist.

Ich bin mir allerdings auch sicher, das ich das Album in zwei Wochen für immer beiseite legen werde.

2 KOMMENTARE

  1. also “die Nacht war kurz” finde ich ja echt noch annehmbar, am schlimmsten finde ich “vom delta bis zur quelle”…”ich bin durstig, gib mir zu trinken” – also bitte!
    Ansonsten aber tatsächlich ein gelungenes Album.

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