Als „The New Abnormal“ vor sechs Jahren erschien, hatten The Strokes endlich wieder etwas gefunden, das auf den vorherigen Alben immer wieder verloren gegangen war: die richtige Balance zwischen vertrautem Sound und Experiment. Songs wie „The Adults Are Talking“, „Brooklyn Bridge To Chorus“ oder „Bad Decisions“ waren echte Knaller, während „At The Door“ mit seinem scharfzackigen Synthesizer und dem Verzicht auf Schlagzeug zeigte, dass die Band durchaus noch überraschen konnte. „Reality Awaits“ geht nun einen Schritt weiter. Nur leider nicht immer in die richtige Richtung.
Dabei ist der Mut zur Veränderung durchaus sympathisch. The Strokes klingen auf ihrem siebten Album so wenig nach der Band, die einst mit „Is This It“ die Rockwelt aufmischte, wie lange nicht. Produzent Rick Rubin lässt ihnen viel Raum, Julian Casablancas experimentiert ausgiebig mit Autotune und Vocoder, dazu kommen Synthesizer, elektronische Effekte und allerlei schräge Klangideen. Die Band versucht hörbar, sich nicht zu wiederholen.
Das Problem: Nicht jede dieser Ideen ergibt automatisch einen guten Song. Schon „Psycho Shit“ wirkt mit seiner überladenen Wucht eher wie eine Ansage als wie ein überzeugender Einstieg. „Dine N’Dash“ mäandert anschließend vor sich hin, und auch „Falling Out Of Love“ bleibt trotz interessanter Ansätze erstaunlich blass. Gerade bei einer Band, deren große Stärke immer darin lag, aus scheinbarer Lässigkeit heraus großartige Melodien entstehen zu lassen, fehlt hier erstaunlich oft der entscheidende Moment.
Dabei gibt es sie durchaus, diese Momente. „Going Shopping“ besitzt trotz des gewöhnungsbedürftigen Autotune Einsatzes einen gewissen Charme. „Going to Babble On“ erinnert mit seinen Gitarren und der Melodieführung daran, warum man The Strokes einmal so geliebt hat. Auch „Dine N’Dash“ hat seine guten Augenblicke. Am stärksten ist für mich allerdings „Lonely In The Future“, das Casablancas’ verschrobene Seite mit einem eingängigen Song verbindet.
Überhaupt ist Casablancas zugleich das größte Problem und die interessanteste Figur des Albums. Seine Stimme wird immer stärker verfremdet, manchmal klingt sie wie aus einem kaputten Computer, manchmal beinahe wie ein zusätzliches Instrument. Das passt durchaus zur merkwürdig entrückten Atmosphäre der Platte, nimmt den Songs aber auch einen Teil jener unmittelbaren Wirkung, die „The New Abnormal“ so stark gemacht hat.
„Reality Awaits“ ist deshalb kein schlechtes Album. Es ist ein Album einer Band, die nach 25 Jahren noch immer keine Lust hat, sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. Das verdient Respekt. Mir fehlt allerdings zu oft das, was The Strokes trotz aller Experimente immer ausgezeichnet hat: diese lässige Selbstverständlichkeit, mit der aus ein paar Gitarrenakkorden plötzlich ein großer Song wird.










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