Fontaines D.C. – Dopamine Chamber

Fontaines D.C. haben sich in den vergangenen Jahren immer weiter von ihren Post-Punk-Wurzeln entfernt. Spätestens mit „Romance“ öffnete sich die Band für große Melodien, Synthesizer und eine deutlich opulentere Produktion. Auf ihrem fünften Album „Dopamine Chamber“ gehen die Iren diesen Weg weiter, schlagen dabei aber eine deutlich düsterere Richtung ein. Zwischen flirrenden Synthesizern, dröhnenden Gitarren und wuchtigen Drums entsteht eine Atmosphäre, die gleichzeitig faszinierend und ziemlich unheimlich ist.

Schon der Opener „Six Shot Morning“ setzt auf elektronische Flächen und einen bedrohlichen Rhythmus, über den Grian Chatten seine markante Stimme legt. „Marianne“ entwickelt daraus einen hypnotischen Sog, der einen so schnell nicht mehr loslässt. Die Band klingt hier weniger nach klassischem Indie Rock als nach einer Mischung aus Post Punk, düsterem Synth Pop und Trip Hop. Dass Fontaines D.C. dabei trotzdem unverkennbar bleiben, liegt nicht zuletzt an Chattens Gesang, der zwischen Beschwörung, Melancholie und unterschwelliger Aggression pendelt.

„Mimesis“ bringt mit seinen treibenden Beats und der fast schon tanzbaren Dynamik etwas mehr Bewegung ins Spiel. Auch „Tongue“ zieht das Tempo an, bleibt mit seinen düsteren Sounds aber weit entfernt von unbeschwerter Euphorie. Inhaltlich beschäftigt sich Chatten mit einer Welt, in der soziale Medien, künstliche Intelligenz und die permanente Reizüberflutung immer mehr Raum einnehmen. Statt daraus ein plumpes Anklagealbum zu machen, verpackt die Band ihre düsteren Beobachtungen in Musik, die einen geradezu hineinzieht.

In der zweiten Hälfte rücken die Gitarren wieder etwas stärker in den Vordergrund. „One Man“ baut mit seinen Streichern eine beklemmende Spannung auf, während „You Miss Me“ eingängiger daherkommt, ohne die dunkle Grundstimmung aufzugeben. Ein besonderer Moment ist „Where Is Gone?“, bei dem Rosalía und Chatten ein intensives Duett liefern. Ihre Stimmen passen überraschend gut zusammen, der Song klingt groß und elegant, hat aber immer etwas Unheilvolles. „Intimate“ beendet das Album schließlich mit donnernden Drums und futuristischen Synthesizern.

Ganz ohne Längen ist „Dopamine Chamber“ nicht. Die durchgehend düstere Stimmung und die opulenten Arrangements können auf Dauer etwas ermüdend wirken. Trotzdem gelingt Fontaines D.C. ein spannender nächster Schritt. Die Band probiert weiter neue Dinge aus und findet dabei immer wieder starke Melodien. „Dopamine Chamber“ ist ein dichtes, abwechslungsreiches Album, das mit jedem Durchlauf ein wenig mehr von sich preisgibt.


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