Jetzt, wo mein Umzug nach Österreich nicht einmal mehr drei Wochen entfernt ist, kommen die Erinnerungen hoch. An die Stadt Berlin, die tollen Zeiten, die unvergesslichen Erlebnisse. Und da es hier auf nicorola.de nicht nur um Musik, sondern auch um mich geht, dachte ich mir, ich lasse euch ein wenig an meinem Rückblick teilhaben.

Berlin: ein Rückblick. Teil 1.
Berlin: ein Rückblick. Teil 2.
Berlin: ein Rückblick. Teil 3.

Über das Bloggen, die East Side Gallery und die nächste Insolvenz

Ich arbeitete also in Mitte, in der Nähe vom Hackeschen Markt. Und in meiner Freizeit bloggte ich über Musik. Im ersten Monat verfasste ich drei Beiträge, im darauffolgenden gar nur zwei, dann fünf. Und auf einmal schrieb ich täglich. Dann die ersten Kommentare und die Erkenntnis: da liest wirklich jemand mit! Es folgten Kommunikation, Gedankenaustausch, oft genug Korrektur.

Das machte mir Spaß, also schrieb ich noch mehr. Dann begann ich Musik zu verlinken, MP3s und Videos. Dann ganze Alben im Stream. Irgendwann die erste Rezension. Ich schrieb damals zu dem Debüt der Killers: Diese Platte ist sicherlich sehr kurzweilig, aber sie macht einfach Spaß und…..it’s only Rock’n’Roll. Davon hätte ich als Jugendlicher nicht zu träumen gewagt. Ich schreibe meine Eindrücke und Gedanken in einer Kritik nieder, und sie wird gelesen und diskutiert. Ein unglaubliches Gefühl. Natürlich habe ich mir das Album damals selber gekauft, denn bemustert wurde ich damals noch nicht. Das kam erst viel später.

Ich habe leider den genauen Hergang der Geschehnisse vergessen, aber es wird wohl so gewesen sein, das ich erste zaghafte Kontaktaufnahmen zu den Labels und Promoagenturen wagte und oft genug eine Absage bekam. Aber manchmal eben auch eine Zusage. Und dann verselbstständigte sich das irgendwann. Es meldeten sich immer mehr Vertreter der Musikindustrie bei mir und fragten mich, ob ich Interesse daran hätte, in ihren Musikverteiler mit aufgenommen zu werden. Das hieß aber nicht nur, das ich eine Unmenge von E-Mails erhalten sollte, sondern das immer wieder CDs in meinem Postkasten lagen. Zu Hochzeiten vor ca. drei Jahren lag nahezu jeden Abend ein neuer Tonträger in meiner Postablage. Das hat allerdings im Zuge der Digitalisierung der Bemusterung wieder stark abgenommen.

Irgendwann kamen dann auch die Gästelistenplätze hinzu. Das war sogar noch großartiger als die ganze Promo-Musik. An meinen ersten GL-Platz kann ich mich nicht mehr erinnern, wohl aber an dieses Kribbeln und die Aufregung. Ich durfte zu Anfang eher kleine Bands und Künstler sehen, später dann auch die großen Acts wie Arcade Fire oder The National. In Friedrichshain ist man ja ziemlich gut aufgehoben, was Konzerte angeht. Ich tingelte zwischen dem Postbahnhof, dem Lido, dem Magnet und dem Astra Kulturhaus hin und her.

Foto: http://www.flickr.com/photos/basspunk/
Foto: bsdphoto, CC-Lizenz

Ich fuhr jeden Tag die Strecke an der East Side Gallery entlang Richtung Mitte und wieder zurück. Im Laufe der Zeit erblickte ich unheimlich viele Touristen, ich sah Clubs am Ufer der Spree kommen und leider auch wieder gehen und die o2-World wachsen; ich war sozusagen bei der Erneuerung der Reste der Berliner Mauer dabei. Die alten Kunstwerke verschwanden, es entstanden neue. Und dann kamen die Touristen und bekritzelten wieder alles. Aber das gehört natürlich dazu. Nahezu täglich konnte ich beobachten, was hinter dem abstrakten Begriff Mediapsree steht.

Meine Firma zog dann irgendwann wieder um. Das Büro am Monbijouplatz platze aus allen Nähten. Wir residierten in der Folgezeit am Heiligegeistkirchplatz, direkt neben dem Radisson Bu Hotel. Die Büros waren modern, großzügig und komfortabel. Uns ging es gut. Dachten wir zumindest. Unsere Geschäftsführung hatte es geschafft, Quelle zu überzeugen einen Testballon zu starten, um Technikprodukte über unsere Business Logic zu verkaufen. Wir sahen die Eurozeichen in den Augen unseres Chefs, der uns das Blaue vom Himmel und Millionen auf dem Konto versprach. Leider wurden wir nicht gewinnbringend aufgekauft, ganz im Gegenteil. Quelle schlitterte in die Pleite und das große Projekt mit dem ADAC scheiterte. Als ich Anfang 2008 aus dem Weihnachtsurlaub zurück kam, hieß es wieder einmal: Insolvenz.

Weiter in Teil 5.

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