„El Pintor” heißt das fünfte Studioalbum von Interpol, was erstens das spanische Wort für Maler ist und zweitens ein Anagramm von Interpol darstellt. Ich war nach dem doch eher durchwachsenen letzten Album, welches die drei verbliebenen Musiker schlicht nach sich selbst benannt haben, sehr gespannt, was sie ohne ihren angeblich doch so wichtigen Bassisten Carlos Dengler abliefern würden.

Der Opener “All The Rage Back Home” beginnt schleppend und mit der für Interpol typischen Larmoyanz, dreht dann nach kurzer Zeit aber richtig auf und ist einer der schnellsten Songs, die ich von der Band kenne. Ein erstes Highlight, dem dann erst einmal eine gewisse Schwere folgt. Denn „El Pintor“ ist kein Album, welches sofort zupackt und mitreißt. Die Mode der Band ist nach wie vor dunkel, der Sound auch.

James Brown und Alan Moulder haben hier ganze Arbeit geleistet und der Band den vielleicht besten Sound ihrer bisherigen Laufbahn verpasst. Allerdings kann der tolle Sound nicht darüber hinweg täuschen, dass einige Songs gewisse Schwächen besitzen. Eine interessante Grundidee macht noch keinen großartigen Song. “Same Town New Story” besitzt zum Beispiel eine Gitarrenfigur, die einfach von vorne bis hinten durchgespielt und nur durch ein kurzes Break abgelöst wird, welches am Versuch scheitert, die fest verschlossenen Vorhänge in einem staubigen und abgedunkelten Raum beiseite zu ziehen. Leider fehlt hier, wie bei vielen anderen Songs, die Dramaturgie.

Nach einigen Durchläufen drängen sich allerdings einige Songs in den Vordergrund, denen ich eine gewisse Eleganz zusprechen möchte. Das bereits erwähnte Eröffnungsstück ist ein Lichtblick, ebenso wie das lockende „My Blue Supreme“, das brodelnde „Ancient Ways“ oder die abschließende Großtat „Twice As Hard“. Diese Songs stimmen versöhnlich und verdeutlichen, dass Interpol immer noch einige tolle Songs im Ärmel haben. „El Pintor“ ist ein durchwachsenes Album zwischen tollen Momenten und düsterer Monotonie.

6/10

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