Nicht sonderlich überraschend, aber dennoch lesenswert.“Stellt Euch vor, das Radio dudelt und keiner hört hin.” Die Jugendlichen, für die immer mehr neue Sender aus der Taufe gehoben wurden, machen heute ihr eigenes Programm, mit iPod und mp3-Player. Mehr als eine halbe Million Hörer sind den Wellen in den letzten sechs Monaten davon gelaufen – eine Entwicklung, die den Radio-Machern graue Haare wachsen lässt. Zapp über Gründe für und Wege aus der Krise. Weiterlesen bei NDR Fernsehen

1 KOMMENTAR

  1. Ganz ehrlich? Das Radio wird nie tot sein, aber wenn ich mir so anhöre, was den ganzen Tag in der Kiste läuft, dann habe ich auch immer mehr den Drang auszuschalten.

    Mein bevorzugter Sender ist “EinsLive” in NRW (halt Empfangsgebiet). Dort wird eigentlich in ganz guter Mix gespielt, aber zunehmende Tagsüber der belanglose Pop. Und damit meine ich jetzt nicht nur diese Teeniebands und “One-Summer-Hitwonder” Bands sondern einfach den Müll, den die Musikindustrie Tagtäglich auf den Schreibtisch der Musikredakteure wirft. Einheitsbrei, bei dem eigentlich jeder halbwegs mündige Musikhörer die Krise bekommt.

    Abends werden dann die Perlen ausgepackt: Heimatkult oder Vorstellungen von neuen vielversprechenden Künstlern. Aber leider erst Abends, wenn niemand mehr hinhört. Warum nicht tagsüber?

    Es ist halt viel einfacher sich selbst ein Musikprogramm zu machen. Bei den Kosten für heutige Player (in Kapazitäten von nie geahnter Größe) und den einfachen Besorgungsmöglichkeiten von Musik ist das ein Kinderspiel. Den Player vollgemacht und schon gehts los. Die richtige Musik zur richtigen Tageszeit und zur richtigen Stimmung auf die Ohren. Hier bekommt der Hörer was er will auf die Ohren und kein 08/15 Popgeschrei.
    Die Versuchung ist groß.

    Ich glaube das wirkliche Problem des Radios ist, dass sie versuchen müssen, ein viel zu breites Spektrum abzudecken. (Ich kann jetzt hier wieder nur von dem reden was ich höre, aber ich denke mal im Rest der Republik sieht es nicht viel anders aus) EinsLive ist nach eigenem Bekunden Marktführer bei der Zielgruppe der 14- bis 29-Jährigen mit über 300.000 Hörern.
    Das muss man sich jetzt mal auf der Zunge zergehen lassen: 14- bis 29-Jährigen. Da sind 16 Jahre Musikgesch mack, die abgedeckt werden wollen. Und da prallen nunmal Weltenn aufeinander, die nicht kompatibel sind. Zwangsläufig schalte ich als Hörer dann ab oder um, wenn mir die Musik nicht passt.
    (Aus meiner eigenen Erfahrung: Wenn da Radio im Büro dudelt, dann höre ich kaum hin, es ist mehr ein Hintergrundgeräusch; wenn ich es aktiv Höre, z.B. bei Autofahrten, dann schalte ich bei nichtgefallen relativ oft um oder schiebe die CD rein.)

    Die Radiosender werden sich, ähnlich der Musikindustrie, immer mehr dem Konsumenten anpassen müssen. Ansonsten wird ihr Produkt sang- und klanglos in der Belanglosigkeit verschwinden bzw. die Landschaft wird deartig zersplittern, dass die Zeit der Massenradios zwangsläufig vorbei ist.

  2. Ich schließe mich deiner Meinung an. Mit der risikoarmen “Die Superhits der 80er, 90er und das Beste von heute”-Schiene werden die Massenradios definitiv Probleme bekommen, ihre Hörerschaft zu halten.

  3. Vor allem fehlt mir die Abwechslung. Alle “Jugendsender” spielen den gleichen Brei, dann gibt es noch ein paar Rentnersender und das Deutschlandradio.
    Wieso gibt es keine Spartensender für Rockfans, Hiphopper, Technofreaks oder anderes?

  4. Naja, das steht ja auch in dem Artikel geschrieben: “Man hat in den letzten zehn Jahren das Programm dahingehend optimiert, Ausschaltgründe zu eliminieren. Und man hat dabei vergessen, Einschaltgründe zu schaffen.”

    Und ich als 18-jähriger Schüler muss wirklich zugeben: Ich hör so gut wie nie Radio. Nur morgens, beim Aufstehen und Frühstückessen. Abends läuft da nie was.

    Aber die meisten Sender (und ironischer Weise lebe ich im Speckgürtel der Hauptstadt, da gibt es mit Abstand die meisten Sender der Republik) sind einfach nicht innovativ genug. Ich weiss von meinem Bekanntenkreis, dass ‘Fritz’ ja eigentlich das ‘In-Radio’ schlecht hin ist. Klar, aber das war es wohl eher. Immer das Gleiche, Top20 rauf und runter; das ist einfach belastend.

    Das einzige Novum ist da lediglich die, ich sag mal vorsichtig, ‘Talkshows’. Also Studenten, die sich über jeden erdenklichen Thema auslassen und dabei uninformierte Anrufer verbal und hintergründig auslachen. Das ist interessant, sadistisch und zu gewissem Grade auch kulturell wertvoll.

    Aber sonst?…

    Ich hör Fritz nicht mehr, da kann ich mir auch Energy oder 104.6 rtl antun (für denen, die etwas damit anfangen können). Der wirklich überraschendste und beeindruckendste Sender ist da eindeutig Motor.fm (den Du ja auch hörst). Es spielt auch keine Rolle, dass ca. 70% von der Musik recht schlecht ist. Einfach was anderes…

    Ich glaub das ist der Punkt. Es gibt einerseits die Musikkonsumenten, eben die Leute die sich einen iPod kaufen und unzählig viel Musik von Freunden auf Rechnern laden, und Leute, denen Musik noch etwas bedeutet; und genau die Leute hören auch aktiv Radio. Denen aber auch (da sprech ich zu mindest für mich) es relativ egal ist, ob es ‘ihre’ Musik ist, die sie hören, oder einfach authentische.

    Ein wenig ironisch, wenn man bedenkt, dass die Redakteure auf die Musikkonsumenten abzielen.

  5. Was soll den eigentlich daran risikoarm sein, “das Beste der 80er, 90er und von heute” zu spielen? Damit verjagt man Hörer viel effektiver als mit irgendeinem Nervtöter-Song. Der Nervtöter-Song ist nämlich nach vier Minuten vorbei, und das weiß ich auch. Ebenso weiß ich aber auch, dass die Folter mit dem besten der 80er, 90er und von heute überhaupt nie ein Ende nimmt, und deshalb hat der ganze Schrottsender mich für alle Zeiten verloren. Was bitteschön ist daran das geringere Risiko?
    Und an die Werbewirtschaft kann ich nur sagen: Das beste der 80er usw. hören sowieso nur debile Deppen ohne jegliche Kaufkraft oder Leute, die nur eine Geräuschkulisse brauchen und folglich auch keine Werbung wahrnehmen.
    Was aber in meinen Augen der allergrößte Skandal ist, ist dass die öffentlich-rechtlichen Sender den Niveau-Wettlauf nach unten mitmachen statt sich auf ihren gottverdammten gesetzlichen Auftrag zu besinnen und er allgemeinen Verblödung des Formatradios was entgegen zu setzen.

  6. Mit risikoarm meinte ich eben diese Vorgehensweise, Musik ohne Ecken und Kanten auszuwählen (bzw. per Computer oder Umfragen auswählen zu lassen), die von der großen Masse als Hintergrundgedudel akzeptiert wird. Das dies natürlich bei den an Musik interessierten Hörern oft das genaue Gegenteil bewirkt, darum geht es ja gerade.

  7. Ich hab mal eine ganze Weile einen Radiosender von innen gesehen, der solches 80er, 90er und von heute-Zeug gespielt hat.
    In der Stadt gab es zwei Sender. Der eine, meiner, hat sich eher in Richtung Qualität orientiert, die Musikredaktion hat gelegentlich auch “Abschalter-Titel” eingesetzt, im Abendprogramm hat man es auch mal auf längere Wortbeiträge ankommen lassen. Im Gegenzug hatte der andere Sender seine Rotation auf Minimum reduziert, teilweise auf weniger als 100 Titel, würde ich schätzen, verzichtete beinahe umfassend auf nichtkommerzielle Inhalte und produzierte so eben konsequent ein Programm für den “kleinsten gemeinsamen Nenner”.

    Der Effekt war, dass der zweitgenannte Sender deutlich bessere Quoten gemacht hat als meiner. Die wenigen Leute, die noch Radio hören in der Stadt, die suchen nicht nach Inhalt oder Innovationen. Das Radio ist Hintergrundmedium, soll möglichst wenig ablenken beim Einkaufen oder Arbeiten, soll gute Laune schaffen und um Gottes willen keine kontroversen Inhalte schaffen.

    Ich stimme nicht ganz überein mit den “Radio muss inhaltesreicher werden”-Predigern. Radio mit Inhalten hat einen äußerst begrenzten Kundenkreis. Wer sich für Inhalte interessiert, der greift heutzutage zu anderen Medien, die kontroverese Themen deutlich besser transportieren können als Radio. Bei Informationsbeiträgen zu Internet oder Zeitschriften, bei Musik zu MP3-Spieler und Downloaddiensten wie Itunes oder Tonspion.

    Wer sollte also noch Radio hören?

  8. Puh, das ist eine schwierige Frage. Mit der ja die Programmdirektoren offensichtlich auch zu kämpfen haben.
    Ich selber höre morgens kurz Radio 1, damit ich ein, zwei gute Songs höre und als Radfahrer weiß wie das Wetter ist. Während der Arbeit höre ich vielleicht maximal 2 Stunden Radio, dann eine Mixtur aus Inforadio, Deutschlandfunk und Motor FM.
    Aber du hast schon recht, kontroverse Themen können sicherlich woanders besser behandelt werden als im Radio. Und die Titelanzahl auf meinem iPod übersteigt die durchschnittliche Anzahl der gesendeten Songs bei einem normalen Radiosender sicher um ein vielfaches. Und es sind Songs, die ich mir selber ausgesucht habe und die ich hören mag.
    Von daher ist deine Frage berechtigt, Wer sollte also noch Radio hören? Ich weiß es nicht.

  9. Radio mit Inhalt begrenzt sich zwangsläufig selbst auf eine bestimmte Interessengruppe. Letztendlich sich Talkshows im Radio nichts anderes als aufgerüstete Podcasts: Sie sprechen nur einen kleinen Nutzerkreis an, der Rest schaltet ab.

    Ein Radiosender kann gar nicht alle Interessen abdecken, das liegt schon alleine an den unterschiedlichen Interessen der Hörer. Jeder möchte was anderes hören und so kann ich als Sender (der ja auch seine Werbung und Co. unterbringen möchte) mich zwangsläufig nur auf den größeren Nutzerkreis konzentrieren. (Es sei denn ich habe zuviel Geld und kann machen was ich will…)

    Wie gesagt: Fürs Hintergrundgedudel und fürs Wetter reicht es, aber für das richtige hinhören ist Radio eigentlich nicht mehr einsetzbar.

  10. Aber es gibt heut zu Tage auch kaum noch “mutige” Sender. Die mal was anderes ausprobieren. Die Angst Einschaltquoten (vielleicht nur anfangs) zu senken ist einfach zu groß. Und heut zu Tage vielleicht auch zu gefährlich…

  11. Aber genau das ist ja der Knackpunkt: Entweder ich mach Radio für Leute, die wirklich hinhören, aber rar gesät sind; oder für Leute, die das nebenher dudeln. Da frag ich mich natürlich auch, wer denn eher die Werbungen hört, die ja bekanntlich das Geld bringen.

    Ich mein klar, wenn man arbeitet, hört man die Musik nicht richtig. Sie läuft halt. Meine Mutter merkt manchmal nicht mal beim Autofahern was gespielt wird. Ich hingegen würde gerne mal Radio hören, was authentische Musik spielt und dazu auch kontroversen diskutiert, oder einfach innovativ ist. Da würd ich auch Abends reinschalten, im Fernsehen läuft ja eh nichts.

    Und ganz ehrlich: Dass nun der besagte 2. Radiosender mit 100 Songs in der Rotation mehr konsumanregend ist, als der innovative, ist fraglich. Die Hörer dieses Senders hören ja eh nicht hin. Andererseits werden aufgeweckte Menschen, die Radio hören des Radio wegens, wohl kaum von den Marketingstrategien einer Werbesendung angeregt werden. Stimmt auch wieder.

    Jetzt fühl ich mich auch in einer Zwickmühle: Entweder wir reduzieren unser Radio wirklich nur auf das kulturelle Minimum und riskieren ein dominohaftes Aussterben der Sender; oder wir müssen wegen fehlenden Werbeeinnahmen die Radios staatlich Subventionieren.

    Oh man, die Probleme eines Industriestaates…

  12. >Dass nun der besagte 2. Radiosender mit 100 Songs in der Rotation mehr konsumanregend ist, als der innovative, ist fraglich. Die Hörer dieses Senders hören ja eh nicht hin.

  13. Also, eigentlich hätte mein Kommentar anders aussehen müssen… Nochmal:

    “Dass nun der besagte 2. Radiosender mit 100 Songs in der Rotation mehr konsumanregend ist, als der innovative, ist fraglich. Die Hörer dieses Senders hören ja eh nicht hin.”

    Zumindest konnte der zweite Radiosender nachher höhere Preise für seine Radiowerbung ansetzen. Wie sich Radioinhalte auf die tatsächliche Konsumstimmung der Radiokonsumenten auswirken, ist ja sowieso eine Wissenschaft für sich.

  14. Es ist ja nicht so, dass die höheren Preise für die Werbung durch mehr “hinhören” zustande kämen. Da wird auf Einschaltquoten und Marktsegmente verwiesen – die erklärte Tatsache, dass man da eh nur ein Hintergrundgeräusch hat wäre damit schlüssig zu belegen, dass die meisten Hörer genau *deswegen* einschalten: Um berieselt zu werden, man hat ja keine Zeit, sich ellenlange Diskussionen anzuhören wenn man arbeitet. Nebenbei hat man immer irgendeine nette Mucke laufen, dafür sorgt ja die gezielte Auswahl, die es möglichst Allen rechtmacht.

    Was letzten Endes unter den Tisch fällt ist sicherlich die kulturelle Vielfalt und der durchschnittliche Anspruch (seien das Musik, Informationen oder sonstige Wortbeiträge). Allerdings möchte ich auch mal darauf hinweisen, dass “Radio” in dem Sinne heute nicht mehr eines der tragenden Informationsmedien ist. Der Stellenwert, den es noch vor, sagen wir mal, 25 oder 30 Jahren hatte ist längst nicht mehr so hoch, da genug Alternativen geboten werden, in (fast) jedem Bereich des klassischen Sendeschemas.

    Staatliche Förderung wäre begrüssenswert, ist aber eher unrealistisch. Bereits jetzt werden in den grösseren Städten (ich verweise mal nach NRW) die Zuschüsse der Öffentlichen Hand immer mehr beschnitten, schon bei so “normalen” Dingen wie kulturellen Veranstaltungen und Einrichtungen. Und bis 2009 sollen die Städte und Gemeinden auf die kaufmännische Verwaltung ihrer Haushalte umgestellt sein, da wird gerade auf dem kommunalen kulturellen Level noch Einiges an Einschnitten und Streichungen zu erwarten sein, um die Bilanzen nicht allzusehr der Kritik auszusetzen. Auch die Wiederwahl kommunaler Politiker wird da eine Rolle spielen – niemand lässt sich gerne vorwerfen, schlecht zu wirtschaften. Ob da wirklich Geld für den stadt- oder Gemeindeeigenen Radiosender bei ‘rumkommt? Bei Kommunen mit einigermassen ausgeglichenen Bilanzen – vielleicht.

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