Ich muss zugeben, dass ich ein wenig nervös war, bevor ich die erste Single aus dem neuen Album des Hamburger Duos Kraków Loves Adana hörte. Immerhin hatten die beiden im letzten Jahr mit dem Vorgänger Call Yourself New eines meiner Lieblingsalben des Jahres veröffentlicht. Die Latte lag also hoch.

Aber schon nach dem ersten Durchlauf von American Boy wusste ich, dass ich viel zu skeptisch war. “Ein wenig mehr Vertrauen!”, sagte ich schließlich zu mir selbst. Und mit dieser Einstellung hörte ich mir die folgenden Singles an. Und ich wurde nicht enttäuscht.

Auch auf dem vierten Album bieten Kraków Loves Adana wieder feinfühlige und irgendwie aus der Zeit gefallene Musik, die schnell einen Sog entfaltet, dem man sich nur entziehen kann, wenn draußen die Sonne scheint.

Die Instrumentierung steckt voller Details und bildet das perfekte Fundament für das einnehmende, dunkle Timbre von Cicek. Allerdings ist der Sound noch reduzierter: Synthetische Bässe und Flächen in Kombination mit Pianoklängen dominieren die Platte. Der Drumcomputer bildet die dezente Basis, und hin und wieder übernimmt die Gitarre (wie im absolut fantastischen Heather) die Führung.

Es ist schon erstaunlich, wie vielfältig und einnehmend diese acht Songs sind. Das minimalistische Soundgewand ist exakt soweit reduziert, dass die Melodien und die Texte ins rechte Licht gerückt werden.

In ihren Texten verzweifelt Cicek, sie kokketiert, sie zwinkert, sie grübelt und sie kritisiert. Überall lauert das Ungewohnte, selbst in der vermeintlichen Heimat. In Hamburg enthüllt Cicek, dass ihr die Stadt fremd geworden ist und sie bereits ihren nächsten Schritt plant.

Ist sie es, die sich verändert oder ist es die Welt um sie herum? Hat sie ihr Schicksal selbst in der Hand? Kommt man jemals irgendwo richtig an?

Das sind die Fragen, die sich durch Songs After The Blue ziehen. Es werden keine Antworten gegeben, nur Beobachtungen geteilt. Die Erde dreht sich weiter und die Welt, in der wir leben, bleibt rätselhaft. Kraków Loves Adana machen uns das wieder einmal bewußt und warnen uns vor der drohenden Dunkelheit. Aber nicht ohne uns die Hand zu reichen.


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