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Kritik: Franz Ferdinand – “Tonight: Franz Ferdinand”

franz Ferdinand23. Januar 2009
Domino (Indigo)

Nach unserer ersten Platte standen wir vor zwei Alternativen: stärker in die elektronische Richtung gehen oder uns mehr dem Rock zuwenden. Und da wir live immer eher wie eine Rockband aufgetreten waren, schien es die natürlichste Sache zu sein, “You Could Have It So Much Better” als ein Rockalbum aufzunehmen. Jetzt aber hielten wir es für angebracht, uns wieder genau in die andere Richtung zu bewegen. (Intro)

Diese Richtung bedeutet: eingängige Basslinien, gradliniges Schlagzeug, weniger nervöse Gitarren, aufgeräumtere Songs. Und das funktioniert erstaunlich gut. Zum Beispiel im Opener “Ulysses”. Eine leicht mysteriöse Basslinie, ein flüsternder Alex Kapranos und dann das einsetzende Synthi-Riff. Der Refrain ist dann aber ganz eindeutig Franz Ferdinand, auch wenn er etwas Zeit braucht, um sich richtig festzusetzen. Das nachfolgende “Turn It On” besitzt unglaublich viel Groove, zumindest in den Strophen. Leider kann der Refrain da nicht ganz mithalten.

Im Prinzip funktioniert ein Großteil der Songs genau nach diesem Schema. Mal richtig gut (“Bite Hard”, “Turn It On”, “Ulysses”), mal weniger (“Live Alone”, “Can’t Stop Feeling”). Gebrochen wir dieses Schema zum Glück auch, zum Beispiel in “Twilight Omens”, bei dem die vier Buchstaben ABBA ganz ungeniert um die Ecke schauen. “Lucid Dreams” finde ich persönlich dann relativ schwach, auch wenn am Ende der Acid-Blubber-Bass ausgepackt und damit das Ende der Party angekündigt wird. Fast acht Minuten wird hier zum Schluß nochmal gefeiert, bevor die letzten beiden Songs die Nacht dann in aller Ruhe ausklingen lassen. Dabei ist “Dream Again” mit seiner sparsamen Instrumentierung recht einlullend, und “Katherine Kiss Me” als klassische Ballade nur mit Akustikgitarre vorgetragen ein perfekter Abschluß.

“Tonight: Franz Ferdinand” ist ganz eindeutig eine Tanzplatte geworden. Auch wenn die Rhythmen teilweise etwas schleppend sind, so wird sie auf den Indie-Tanzflächen mit Sicherheit funktionieren. Ob das auch in den Clubs und auf den Open Airs klappt, wird sich zeigen. Da ich mir die Platte allerdings hauptsächlich über Kopfhörer anhöre, hätte ich mir doch ein paar mehr Feinheiten gewünscht.

Highlights: “Ulysses”, “Turn It On”, “Bite Hard”

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