Kritik: Gisbert zu Knyphausen – “Hurra! Hurra! So nicht.”

23. April 2010
Pias Germany (Rough Trade)

[xrr rating=8.5/10 imageset=tiny_star label=”Wertung:”]

Ich wollte in dieses Album nur kurz reinhören, doch dann blieb ich hängen. Und jetzt: Dauerrotation. Wie Knyphausen das schafft? Ich weiß es nicht. Vielleicht durch seine direkte, ehrliche und überrumpelnde Art, Alltagsgeschichten in wundervoll poetische Songs zu verpacken. Diese Songs schaffen es, mich zum Träumen zu bringen, mir ein Lächeln in Gesicht zu zaubern oder die mir die Kehle zuzuschnüren. Wie zum Beispiel in “Dreh dich nicht um”, dem textlich schönsten Trennungslied der letzten Jahre in deutscher Sprache.

“Erinnerst du den Tag an dem wir betrunken in deinem Garten lagen
und die Kinder deiner Schwester um uns herum, sie tanzten den Tanz der Piraten.
das war das letzte Mal, dass ich dich so voller Liebe lachen sah, es gab viele Tränen hinterher.
Trag dieses Lachen bei dir wenn du gehst, ich mag es sehr.”

Als weiteres Beispiel mag “Seltsames Licht” dienen, der vertonte Abschied von einem geliebten Menschen.

“Zwei Wochen später auf dem Hof, dein lebloser Körper
In einem Zimmer voller Blumen und Gewalt
Und sechs kleine Jungs, aufgereiht im dunklen Anzug
Und ihre Lieder klagten lautlos in der Nacht
Sie sangen: Bitte, bitte bleib hier, so wie wir.”

Aber keine Angst, so finster ist “Hurra! Hurra! So nicht.” dann auch nicht ausgefallen. Musikalisch zwar düsterer und melancholischer als das Debüt, durch die Arrangements jedoch keinesfalls trübsinnig. Die Begleitband platziert die Songs irgendwo zwischen Folk und Americana und schafft es in “Grau, Grau, Grau” sogar, ein “wenig wie Radiohead zu “The Bends”-Zeiten” zu klingen, wie Jan Wigger ganz recht bemerkt.

Für mich das bisher beste deutschsprachige Album des Jahres. Ohne Frage.

Highlights: “Grau, Grau, Grau”, “Seltsames Licht”, “Hurra! Hurra! So nicht.”

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Kräne
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