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Meine Liebe zu dieser Band fing vor fast genau acht Jahren ziemlich unspektakulär an. Ich stellte im Rahmen der Reihe “MP3 der Woche” den Song “All The Wine” vom Album “Alligator” vor. Damals schrieb ich: Netter Song, werde auf jeden Fall mal in die ganze Platte reinhören. Das tat ich auch, und ich war begeistert: Die Instrumentierung besteht aus verspielten Gitarren, hier und da eine Flöte, ein Cello oder ein Piano und einem immer etwas abseits vom Standard spielenden Schlagzeug. Und darüber die warme und charakteristische Stimme von Matt Berninger. Sein Gesang ist vielleicht am ehesten vergleichbar mit Stuart Staples von den Tindersticks. Immer auf der Suche nach großen Gefühlen abseits von Großstädten wie New York, der Heimatstadt der Band.

“Alligator” wurde für mich zum unverzichtbaren Album, zur Nummer 1 auf der Liste für die Insel. Natürlich legte ich mir auch den Vorgänger und das Debüt zu, aber gerade auf der ersten Platte war die Band noch auf der Suche, verhalten, zaghaft und unsicher. Auf “Sad Songs For Dirty Lovers” deuteten sie ihre Größe mit Songs wie “Slipping Husband”, “Lucky You” oder “Murder Me Rachel” bereits an. “Alligator” war dann ihr erstes Meisterwerk. Es sollten mit “Boxer” und “High Violet” weitere folgen. Das Sonwriting wurde ausgefeilter, die Band arbeitete an ihren Trademarks, ließ diesen und auch jenen Trend einfach links liegen und folgte ihrem Weg.

Ich verfiel den New Yorkern, dir mir mit jeder neuen Veröffentlichung weitere Hymnen lieferten. Ich taumelte auf jedem Album zwischen Euphorie, Trauer, Glückseligkeit und Empathie. Natürlich wuchsen auch meine Erwartungen, und ich musste mir gerade die letzte Platte “High Violet” ein wenig erarbeiten, aber auch das meisterte ich und vor allem die Band mit Bravour.

Seit der Ankündigung dieses neuen Albums mit dem verheißungsvollen Titel “Trouble Will Find Me” war ich aufgeregt. Ich lechzte nach den ersten Fetzen Musik. Zum Glück musste ich nicht lange warten, denn ich war zu meiner Freude auf den Showcase im Michelberger Hotel eingeladen und kam dort in den Genuss der neuen Stücke. Es war kalt, aber es war schön. Schon da bemerkte ich: Es ist natürlich schwer, einen Song nach einmaligen Hören in der Livesituation zu beurteilen, aber ich lehne mich sicher nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: mit “Trouble Will Find Me” kommt ein mindestens gutes Album auf uns zu.

Vor ein paar Tagen erhielt ich dann zu meiner großen Freude die digitale Promo des Albums, und seitdem höre ich fast nichts anderes. Und das mit dem guten Album, das sollte sich bewahrheiten. The National entwickeln sich immer mehr zur eigenständigen Marke, verfeinern ihr Songwriting und interessieren sich beim Schreiben ihrer Songs wenig für aktuelle Trends. Sie liefern einfach ein weiteres, großartiges Album ab, als wäre das das normalste und einfachste von der Welt. Als ich beim allerersten Durchhören auf dem Rad bei “Fireproof” überwältigt anhalten musste, um die Gänsehaut und die sich anbahnenden Tränen auszuhalten, da wusste ich: auch das sechste Studioalbum ist ein großes.

Natürlich gibt es auch hier wieder die offensichtlichen Hits wie “Don’t Swallow The Cup” oder “Graceless”, aber gerade die eher ruhigeren Stücke wie das bereits erwähnte “Fireproof”, “I Need My Girl” oder “Humiliation” sind für mich die Highlights dieser 13 Songs umfassenden Platte. Der Sound ist etwas luftiger geworden, es passiert mehr im Hintergrund und klingt stellenweise verspielter als auf den Vorgängern. Das steht den Songs unheimlich gut.

Ihr merkt: ich bin begeistert. Aber ich bin ja auch bekennender Fan. Aber keine Sorge: auch ihr werdet dieses Album lieben, da bin ich mir sicher.

10/10

3 KOMMENTARE

  1. Nach High Violet noch eine Schippe drauflegen zu können, verdient wirklich Respekt. Und es ist ein wirklich großes Album. Das Schlimme ist aber, dass ich nichts anderes erwartet habe. Was auch für Deine Rezension gilt. Bitte weiter so, Nico! 🙂

  2. Naja, sich erst als großer Fan outen und dann 10/10 geben ist ja auch ein bisschen…arg subjektiv. Aber ist ja auch ok. Für mich wirkt das Album weniger geschlossen als noch der Vorgänger. Einige sehr gute Songs, ja, aber ich skippe mehr Lieder als bei “High Violet.”

    6/10

    • Klar ist das subjektiv, aber hallo! Ich hatte am Anfang auch diesen Eindruck, das es etwas zerfahrener ist, aber das hat sich nach mehreren Durchläufen gelegt.

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