Jetzt, wo mein Umzug nach Österreich nicht einmal mehr 10 Tage entfernt ist, kommen die Erinnerungen hoch. An die Stadt Berlin, die tollen Zeiten, die unvergesslichen Erlebnisse. Und da es hier auf nicorola.de nicht nur um Musik, sondern auch um mich geht, dachte ich mir, ich lasse euch ein wenig an meinem Rückblick teilhaben.

Berlin: ein Rückblick. Teil 1.
Berlin: ein Rückblick. Teil 2.
Berlin: ein Rückblick. Teil 3.
Berlin: ein Rückblick. Teil 4.

Die Rettung, die Geburt und die Clubs

Das Jahr 2008 begann also mit einem Paukenschlag. Die Stimmung war auf dem Nullpunkt. Hinzu kamen ein manisch optimistischer Chef und ein komischer Insolvenzverwalter. Da ich die Einzelheiten dieser Monate aber vergessen habe, sei nur soviel gesagt: die Firma wurde gerettet. Allerdings mit einem Bruchteil der Mitarbeiter und unter neuem Namen. Der einzige verbleibende Grafiker war ich. Warum ich mir damals keinen neuen Job suchte, ist mir jetzt im Rückblick nicht ganz klar. Vielleicht war ich einfach froh, weiter beschäftigt zu werden, vielleicht war ich zu faul. Der neue Standort meiner Firma war mitten im Herzen des Wedding, in der Nähe des Leopoldplatzes. Die Länge meines Arbeitsweges verdoppelte sich also mal eben so.

Ich möchte meine berufliche Laufbahn aber an dieser Stelle ein wenig ausblenden, denn ein paar Monate vor der besagten Insolvenz veränderte ein Ereignis mein Leben: die Geburt meines Sohnes. Ich weiß, dass immer viel darüber geschrieben und geredet wird, wie enorm die Veränderungen im Leben eines Mannes sind, wenn er Vater wird. Verraten kann ich allen Nicht-Vätern nur soviel: alles davon ist wahr. Die Geburt eines Menschen ist eine so überwältigende Erfahrung, dass sie alles bis dahin Erlebte in den Schatten stellt. Und die ersten Monate haben es in sich. Ständig unterbrochener Schlaf, Verschiebung des Lebensmittelpunkts, Mobilisierung der letzten Kraftreserven, unendliche Liebe. Ich wusste vorher nicht, zu was mein Körper und mein Geist in der Lage sind. Und welch empfindlichen Schlaf so ein kleines Geschöpf haben kann. Wie viele und vor allem welche Filme ich mitten in der Nacht mit Kopfhörer auf meinem Notebook sah, während ich den Kleinen auf dem Arm hatte, weiß ich nicht mehr. Es waren viele. Denn einfach ablegen, das war nicht drin.

Ach, und diese Schlechte-Laune-Phasen am Morgen und am Abend, die waren auch kaum zu ertragen. Wir nannten sie immer Abend- und Morgen-Blues. Da half nur laufen und auf dem Arm schunkeln. Mindestens eine halbe Stunde lang. Irgendwann war das komplett meine Aufgabe, denn der Kleine wurde immer schwerer, und meine Liebste war nicht mehr stark genug für diese anstrengende Arbeit. Zum Glück waren diese Phasen irgendwann vorbei.

Foto: Loui Loui, CC-Lizenz
Foto: Loui Loui, CC-Lizenz

Genau zu dieser Zeit begann für mich eine neue Phase des Ausgehens. Waren es zu Beginn meiner Zeit in Berlin eher die Clubs der Stadt, waren es nun die Bühnen. Durch dieses Blog war ich inzwischen in der glücklichen Situation, fast auf jede von mir anvisierte Gästeliste kleinerer und mittelgroßer Acts zu kommen. Da wir bereits vor der Geburt meines Sohnes in die Danneckerstraße umgezogen waren, befand ich mich sozusagen direkt zwischen Postbahnhof, Lido, Astra Kulturhaus und dem Magnet/Comet. Vier großartige Location in einem Radius von fünf Fahrradminuten; besser hätte es nicht sein können. Ich sah eine Menge Künstler, und oft ging ich alleine. Vor allem das Magnet hatte es mir angetan. Hier kam ich meistens eine Viertelstunde vor Beginn, holte mir ein Bier und sicherte mir einen Platz direkt vor der Bühne. Die Konzerte im Magnet sind immer sehr direkt und intim, und trotzdem klingen fast alle Künstler in dieser kleinen Butze ausgezeichnet.

Heute fällt der Rückblick aufgrund akuten Zeitmangels etwas kürzer aus, es geht aber bald weiter mit Teil 6.

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